Wann die US-Notenbank Fed die Zinswende einläuten wird, ist weiterhin offen. Fakt ist: Sie erfolgt später und zaghafter als noch vor einigen Monaten vermutet. Vor allem die Tech-Börse Nasdaq bekommt das zu spüren. Doch nicht alle US-Techaktien sind betroffen. Welche Konzerne trotz der verschobenen Zinswende attraktive Renditechancen bieten.

Aufgeschoben ist bekanntlich nicht aufgehoben. Und dennoch: Die Verschiebung der US-Zinswende hinterlässt Spuren am Aktienmarkt. Sind die Marktteilnehmer längere Zeit davon ausgegangen, dass die erste Zinssenkung durch die US-Notenbank im Laufe des diesjährigen Frühjahrs passiert, rechnet man nun mit einem solchen Schritt erst in den Sommermonaten, oder gar im Herbst. Das ist an sich noch kein Beinbruch – aufgeschoben ist eben nicht aufgehoben –, löst auf der anderen Seite aber auch keinen Jubel aus.

Verschobene Zinswende belastet US-Techaktien

Dass die Euphorie ist nicht allzu ausgeprägt ist, sieht man beispielsweise an der Technologiebörse Nasdaq. Der dortige Leitindex Nasdaq 100, über Monate das Zugpferd der US-Börsen, hat zumindest seit einigen Wochen seine Führungsfunktion verloren und entwickelt sich sogar leicht schlechter als der branchenübergreifende S&P 500 Index. Ein paar wenige Zahlen können das belegen. In den zurückliegenden zwölf Monaten legte der S&P 500 um rund 25 Prozent zu. Der Technologieindex Nasdaq 100 kommt hingegen auf ein Plus von 35 Prozent.

Fahren wir den Betrachtungszeitraum runter, wird das Problem deutlich. In den zurückliegenden drei Monaten etwa, das ist ungefähr der Zeitraum, in dem mehr und mehr offensichtlich wurde, dass die Zinswende auf sich warten lässt, kommen die US-Techaktien nur noch auf einen Zuwachs von rund 4 Prozent, wohingegen der S&P 500 um etwa 6 Prozent zulegte. Das sind alles noch keine gravierenden Abweichungen, dennoch ist die leichte Underperformance der US-Techaktien seit drei Monaten angesichts der vorherigen Outperformance bemerkenswert.

US-Techaktien bieten weiterhin Chancen

Dass das Warten auf die Zinswende vor allem die Technologiewerte belastet, hat allerdings  – und entgegen weitläufiger Meinung – nicht zwangsläufig mit ihrem Verschuldungsgrad zu tun. Pauschal lässt sich zwar sagen, dass hohe Schulden problematisch sind, wenn die Zinsen steigen, denn steigende Zinskosten belasten die Erträge. Doch genau das trifft nicht unbedingt auf die Technologie-Aktien zu. Das zeigt etwa ein Blick auf den Janus Henderson Corporate Debt Index, der den weltweiten Verschuldungsgrad von Unternehmen widerspiegelt. Demnach ist die Nettoverschuldung in den Jahren 2022 und 2023 auf ein Rekordniveau von 7,8 Billionen US-Dollar gestiegen, doch Technologieunternehmen haben daran nur einen relativ geringen Anteil. Ihre Nettoverschuldung betrug 141 Milliarden Dollar. Zum Vergleich: Die Branche Pharmazie/Gesundheit weist eine Nettoverschuldung von über 800 Milliarden Dollar auf. Man muss also zweimal hinschauen, um zu verstehen, wo bei den Technologiewerten das Problem liegt – und warum ausgerechnet sie nun angesichts einer verschobenen Zinswende leiden könnten.

Es ist wohl nicht so sehr die Höhe der Verschuldung, sondern eher die Geschwindigkeit. Im Vergleich zur Vorperiode 2021 und 2022 hat die Nettoverschuldung der Technologieunternehmen laut dem Janus Henderson Corporate Debt Index um fast 600 Prozent zugelegt. Das ist der mit Abstand höchste Zuwachs aller Branchen – und betrifft insbesondere US-Technologieunternehmen, die insgesamt einen höheren Verschuldungsgrad aufweisen als etwa Unternehmen aus Europa.

US-Techaktien: Anleger müssen genau hinschauen

Allerdings muss man auch hier Unterscheidungen treffen. Allein fünf Unternehmen, nämlich Amazon, Warner Bros. Discovery, Alphabet, Microsoft und Meta, waren für die Hälfte des Anstiegs der Nettoverschuldung von US-Unternehmen verantwortlich. Aber Alphabet, Apple und Microsoft gehören auch zu den zehn Unternehmen mit dem höchsten Cash-Bestand der Welt.

Zudem: Schulden an sich müssen grundsätzlich nichts Schlechtes sein, sondern sind ein Element der Kapitalstruktur. Vernünftig eingesetzt können auch Schulden einen Mehrwert schaffen – für das Unternehmen und seine Aktionäre. Das kann vor allem auch dann der Fall sein, wenn Konzerne ihr Geschäft ausbauen und expandieren. Gerade in heutiger Zeit, in der die Welt vor gravierenden Herausforderungen steht, wie etwa dem Klimawandel, dem Umbau der Energieversorgung – weg von den fossilen Brennstoffen, hin zu den erneuerbaren Energien – und dem Fachkräftemangel, um nur mal einige Punkte zu nennen, ist das der Fall. Wichtig ist jedoch: Unternehmen dürfen von ihren Schulden nicht erdrückt werden; sie müssen in einem sinnvollen Verhältnis zu den anderen Bilanzzahlen stehen.

Die US-Geldpolitik steht vor einem Kurswechsel, doch wann die erste Zinssenkung erfolgen wird, ist weiterhin offen. Daran kann niemand etwas ändern – und das ist auch gar nicht so problematisch. Zumal sich der Aktienmarkt USA und der europäische Markt doch recht robust präsentieren. Und auch ausgewählte US-Techaktien bieten in einem solchen Umfeld mittel- und langfristig attraktive Renditechancen. Welche Technologieunternehmen trotz verschobener Zinswende profitieren dürften, das zeigen wir Ihnen gerne in einem persönlichen Gespräch auf: Kontakt

 

Bitte beachten Sie den Haftungsausschluss.

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