An der Nasdaq werden wieder Chancen gehandelt
29. März 2023
Das Gros der Titel von der US-Technologiebörse Nasdaq haben sich zuletzt recht robust präsentiert. Trotz der steigenden Zinsen, der hohen Inflation, der Probleme im US-Bankensektor und der Tatsache, dass mit der insolventen Silicon Valley Bank ein Institut betroffen war, das eng mit dem Startup- und Technologiesektor verbunden war – Aktien aus dem Nasdaq-100 haben sich zuletzt besser entwickelt als der Gesamtmarkt.
So machte der US-Technologieindex seit Jahresbeginn rund 15 Prozent an Boden gut, während etwa der Dow Jones ein Minus von etwa 2 Prozent aufweist. Sicherlich sollte man dabei auch berücksichtigen, dass gerade die Nasdaq überproportional viel im vergangenen Jahr an Belastungen verarbeiten musste und diese noch Ende des Jahres als ein absolutes Risikoinvestment zu sehen war. Doch woran liegt das und welche Schlussfolgerungen können Anleger ziehen?
Notenbanken sorgen bei Nasdaq-Werten für Aufatmen
Betrachtet man die Lage vordergründig, so könnte die Stärke von Technologie-Aktien irritieren – schließlich bleibt die Inflation sowohl im Dollar- als auch im Euroraum hoch und nötigt die US-Notenbank Fed und die Europäische Zentralbank (EZB) zu Maßnahmen in Form von weiteren Zinsschritten. Höhere Zinsen treffen aber gerade Wachstumsunternehmen besonders, da diese Firmen Investitionen in der Regel fremdfinanzieren müssen.
Auf den zweiten Blick wird aber deutlich, dass der Zinskurs der Notenbanken zuletzt ins Wanken geraten ist. Die Krise im Bankensystem hat zu einer Neueinstufung des Zinsänderungsrisikos geführt, so dass die Notenbanken angesichts dieser Situation mit weniger Zinsschritten nach oben auskommen müssen, um keine systemischen Herausforderungen erneut zu provozieren. Dies bedeutet allerdings auf der anderen Seite eine höhere Inflation, aber niedrigere Refinanzierungskosten gerade bei kapitalintensiven Technologie-Aktien – dies wäre ein kleines Aufatmen nach dem vergangenen Jahr.
Doch Vorsicht: Dass die Notenbanken tatsächlich ein wenig zurückhaltender seitens des Zinserhöhungszyklus agieren, ist noch längst nicht sicher. Es sollte keineswegs ausgeschlossen werden, dass sowohl die Fed als auch die EZB noch einige weitere – wenngleich wohl auch nicht allzu große – Zinsschritte gehen werden, um die nach wie vor hohe Inflation mittelfristig in den Griff zu bekommen. Gleichzeitig aber als Retter in der nächsten Instanz fungieren, was wiederum Geld ins System bringt und die Inflation wiederum erhöht – fast die Quadratur des Kreises. Gut, wenn man dann in Aktien als Sachanlage investiert ist.
Schrumpf-Kur für Tech-Unternehmen
Kurzum: Allein mit der – ungewissen – künftigen Notenbankpolitik ist die vergleichsweise robuste Entwicklung der US-amerikanischen Technologiewerte also offenbar nicht nur zu erklären. Es müssen also weitere Faktoren eine Rolle spielen, die aktuell für Unternehmen aus dem Tech-Sektor sprechen. Die Digitalisierung ist ein Megatrend, der auch nicht durch Krisen unterbrochen wird. Hinzu kommt, dass viele große Unternehmen der Nasdaq bereits stattliche Cashflows generieren und in der Lage sind, ihr Wachstum selbst zu finanzieren. Mit anderen Worten: Diese Konzerne reagieren nicht so empfindlich auf steigende Zinsen wie kleinere Nasdaq-Unternehmen. Hinzu kommt oftmals eine Marktdominanz, die ihresgleichen sucht. Am Markt mit den digitalen Lösungen von morgen sind etwa Alphabet, Facebook oder auch Apple und Microsoft bereits seit geraumer Zeit schon bestens positioniert.
Und: Der Dämpfer des vergangenen Jahres innerhalb der Technologie-Branche hat auch dafür gesorgt, dass viele Unternehmen auf die Kostenbremse getreten sind und sich auch von manchen Mitarbeitern getrennt haben. Was sich negativ anhört, ist nach Jahren des Booms eine Korrektur, die gepaart mit einer Neubewertung am Aktienmarkt der Nährboden für einen neuerlichen Aufschwung von Unternehmen sein kann.
Digitalisierungs-Chancen werden an der Nasdaq gehandelt
Trotzdem sollten Anleger in Titeln der Nasdaq nicht uneingeschränkt Chancen sehen. Die angesprochene Zinssensivität kann sich auch negativ auswirken. Dann nämlich, wenn die Markterwartungen deutlicher steigende Zinsen einpreisen – und dies ist ein Szenario, das zumindest nicht ausgeschlossen werden sollte.
Nichtsdestotrotz: Das aktuelle Kursniveau ist für langfristig ausgerichtete Investoren ein guter Grund, sich mit den großen Titeln im Nasdaq-100 auseinanderzusetzen. Auch im Bereich der kleineren Werte gibt es spannende Geschäftsmodelle in vielversprechenden Nischen. Das Marktrisiko liegt in diesem Bereich aber noch ungleich höher, als bei den ganz großen Technologie-Titeln. Die große relative Stärke von Technologie-Aktien während der vergangenen Wochen kann für die weitere Zukunft richtungsweisend sein. Die Chancen der Digitalisierung werden an der Nasdaq gehandelt. Wir als Vermögensverwalter haben bereits die eine oder andere Perle in den Strategien unserer Kunden.
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Dr. Markus C. Zschaber, Gründer und Geschäftsführer der V.M.Z. Vermögensverwaltungsgesellschaft, gilt als einer der erfahrensten und renommiertesten Vermögensverwalter in Deutschland und begleitet alle Prozesse im Unternehmen aktiv mit.
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