Trotz der zunehmend restriktiven Geldpolitik der US-Notenbank, einer steigenden Inflation und anhaltenden Corona-Sorgen kratzt der S&P 500-Index an seinem Allzeithoch. Es gibt gute Gründe, dass der Aufwärtstrend auch 2022 weiter anhalten könnte.

2021 war ein überdurchschnittlich ertragsreicher Jahrgang für US-Aktien. Trotz der Pandemie, unterbrochenen Lieferketten und der – wenn auch behutsam eingeleiteten – geldpolitischen Wende der US-Notenbank Fed haben sich amerikanische Dividendentitel prächtig entwickelt. Der marktbreite S&P 500-Index notierte kurz vor Weihnachten im zweistelligen Prozentbereich höher als Anfang Januar.

Die Chancen überwiegen

Wie geht es im neuen Jahr weiter? Zu den beherrschenden Themen dürfte einmal mehr die zunächst wohl anhaltende Coronakrise mit möglicherweise weiteren neuen Virusvarianten zählen. Doch die Pandemie wird ihren Schrecken verlieren. Erstens gibt es zwischenzeitlich wirksame Impfstoffe. Zweitens ist die große Mehrheit immunisiert. Und schließlich wird ein neuerliches Teil-Herunterfahren des gesellschaftlichen Lebens und der Wirtschaft – sollte es überhaupt dazu kommen – die Unternehmen nicht so unvorbereitet treffen wie im Frühjahr vergangenen Jahres.

Stark beschäftigen wird die Anleger darüber hinaus die Geldpolitik und vor allem die Inflation. Seit der letzten Sitzung der US-Notenbank preisen die Märkte ein, dass die Federal Reserve kräftiger auf das monetäre Gaspedal tritt als zuvor beschlossen. Sie drosselt ihre Anleihekäufe noch stärker als zunächst erwartet und ebnet damit den Weg für mehrere Zinserhöhungen. Der so genannte Dot Plot, mit dem die US-Notenbank ihren Ausblick für den Zinsverlauf signalisiert, zeigt, dass die Fed-Mitglieder im nächsten Jahr nach der mittleren Schätzung drei Zinserhöhungen von jeweils 0,25 Prozent für angemessen halten.

Starkes Wachstum dürfte S&P stützen

Steigende Zinsen wirken zwar traditionell wie ein Bremskraftverstärker auf die Entwicklung der Aktienkurse. Doch die restriktivere Geldpolitik hat auch ihr Gutes: Sie zeigt, dass die Wirtschaft brummt. Nicht ohne Grund hat der Internationale Währungsfonds (IWF) im Oktober seine Prognose für das Wachstum der US-Konjunktur auf 5,2 Prozent angehoben. Dies sollte sich entsprechend positiv auf die Gewinnentwicklung der im S&P 500 enthaltenen Unternehmen auswirken. Trotz aller Produktions- und Lieferprobleme dürften die Erträge, beflügelt von vielen Nachholeffekten, steigen.

Inflation sinkt, bleibt aber hoch

Zudem hilft die Straffung der monetären Zügel bei der Eindämmung der Inflation, die im November mit 6,8 Prozent auf den höchsten Wert seit fast vier Jahrzehnten stieg. Die drei zu erwartenden Zinsschritte dürften die Teuerung bremsen, ohne allzu große Einschnitte für die Wirtschaft in God’s own Country zu bedeuten. Ohnehin sollte der Inflationsdruck bis Mitte 2022 nachlassen – auch wenn die Preise höher bleiben, als wir das in den vergangenen Jahren gewohnt waren.

Diese Gemengelage bietet gute Voraussetzungen für den S&P 500-Index, die Avancen dieses Jahres fortzusetzen, zumal auch Aktienrückkäufe das Börsenbarometer auf Kurs halten könnten. Die Aussichten sind besser als die Lage. Vor dem Hintergrund des Taperings durch die Federal Reserve dürften insbesondere Unternehmensbereiche profitieren, die unabdinglich für die Instandhaltung der Wirtschaft sind, also etwa Energieversorger oder Nahrungsmittelunternehmen. Aber auch die Digitalisierung wird weiter voranschreiten und Unternehmen, die passende Lösungen dafür liefern, weiter belohnen.

Auch für unsere Kunden konnten wir in diesem Jahr mittels unserer Vermögensverwaltungslösungen eine sehr ansprechende Wertentwicklung realisieren, die selbst bei Produktvarianten mit maximalem Aktienanteil in Höhe von 30 Prozent, im zweistelligen Renditebereich liegen. Das Augenmerk vieler Bestrebungen unseres Hauses liegt allerdings im Bereich unseres ausgeprägten Risikomanagements, welches nicht nur im letzten Jahr, also mit Beginn der Coronakrise, sondern auch in diesem Jahr hervorragend funktionierte – und eine wirkliche Balance zwischen Rendite und Risiko schaffte. Dieses ist eine weiterer Unterschied zu vielen anderen Banken und  Marktteilnehmern, die rein performance-orientiert viele marktbeeinflussende Themen einfach ausblenden, keine mehrdimensionale, fundamentale Bewertung – und zwar auf Tagesbasis – vornehmen und sich dann über die Ergebnisse wundern; mehr bedarf es eigentlich nicht auszuführen.

Für 2022 sind wir optimistisch gestimmt, übrigens auch mit einem Blick in die Geschichtsbücher, denn in der Vergangenheit sind allen Börsenjahren mit hohen zweistelligen Renditen, gemessen am S&P 500, wie bisher in diesem Jahr, im Folgejahr in der Regel der vorhandenen Aufwärtsbewegung gefolgt. Nun ist die Vergangenheit nicht der Gradmesser der Zukunft, denn unsere Welt hat sich in vielerlei Hinsicht verändert und die Themen wie Zinsen, Inflation, globale Verschuldung sind mehr als gegenwärtig. Die Geschichte lehrt uns aber aus den verschiedensten Verhaltensmustern, wie sich Abläufe gestaltet haben und welche Parallelen es möglicherweise geben könnte. Aus unserer Sicht wird es ein spannendes Börsenjahr 2022, mit vielen Veränderungen und umso mehr ist das Stockpicking einzelner Aktien und Branchen gefragt, um wirklich erfolgreich zu sein. Wir denken, dass wir mit unseren Analysen gut gewappnet sind, im 28sten Jahr der Firmenexistenz, gute Handlungsschritte vorzubereiten und umzusetzen.

Wir wünschen Ihnen frohe Festtage und alles Gute für das kommende Jahr und freuen uns, wenn Sie über den Status Leser hinaus auch möglicherweise Kunde werden.

 

Bitte beachten Sie den Haftungsausschluss.

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