Stockpicking – auf der Suche nach einer vernünftigen Anlagestruktur

2. September 2026

Steigende Renditen am Anleihemarkt einerseits, zunehmende Unternehmensgewinne andererseits – am US-Aktienmarkt liegen Chance und Risiko derzeit nah beieinander. Anleger müssen darauf mit einer gezielten Suche nach Qualitätsaktien Aktien reagieren.

Die Intervention war wohl nur eine Frage der Zeit, löst am Ende aber wohl nicht das Problem – und fordert den Kapitalmarkt heraus. Die Rede ist von den amerikanischen Staatsanleihen. Die Rendite 30-jähriger Staatsanleihen lag zuletzt bei über 5,2 Prozent und damit so hoch wie schon lange nicht mehr. Man muss weit zurückgehen, fast bis zu Beginn der 2000er-Jahre, um ein ähnlich hohes Renditeniveau zu finden.

Auf lange Sicht haben Aktien gegenüber Anleihen immer die Nase vorn

In eine Anlagestrategie kann je nach Einschätzung sowohl der Aktienmarkt eingebunden als auch der Anleihenmarkt. Je mehr Rendite die Anleihen abwerfen, desto interessanter wird es als Ausgleich zum Portfoliorisiko, diese mit einzubinden. Auf lange Sicht bieten Aktien gegenüber Anleihen die attraktivere Rendite, aber Anleihen können das Renditepotential sicherlich erhöhen.

Aber manchmal ist nur deshalb von „Renditechancen“ bei Anleihen die Rede, weil keineswegs sicher ist, dass die Gläubiger die Rendite auch tatsächlich erzielen, daher gilt es, bei der Auswahl ebenso professionell vorzugehen wie bei der Einzelaktienauswahl. Werden beispielsweise die Anleihen nicht bis zur Fälligkeit gehalten, fällt eine Kuponzahlung aus oder gerät der Schuldner in Zahlungsschwierigkeiten, kann der Ertrag geringer ausfallen als erwartet.

Nun kommen wir zum Thema US-Staatsanleihen und die Entwicklung der vergangenen Wochen. Damit die Renditen von US-Bonds nicht noch weiter steigen, hat nun die US-Notenbank eingegriffen. Sie will, so gab sie vor wenigen Tagen bekannt, in einem größeren Umfang Staatsanleihen aufkaufen, was wiederum die Rendite drückt. Kurzfristig ist das durchaus ein probates Mittel, mittelfristig ist das Problem der US-Staatsverschuldung damit aber nicht gelöst. Ganz im Gegenteil, durch die Aufkäufe von Staatsanleihen wächst der US-amerikanische Schuldenberg, was wiederum die Stabilität der Finanzen der USA gefährden kann und am Ende wiederum die Renditen am Anleihemarkt nach oben treibt.

Seit vielen Jahren habe ich dem Thema Staatsverschuldung bei meinen Vorträgen und auch Podcasts ein besonderes Augenmerk geschenkt. Sie erinnern sich vielleicht, dass ich das globale BIP (Bruttoinlandsprodukt) grafisch darstellte und im Gegenzug ebenso die globale Verschuldung. Hierbei galt natürlich auch zu unterscheiden, die Staatsverschuldung, die Verschulden des Banken-/Versicherungssektors sowie die Privatschulden. Die Verhältnismäßigkeit habe ich immer wieder angemahnt und genauso vor Inflation, Staatsschuldenstreichung sowie Währungsreformen gesprochen. Das Thema der Sachanlage und der Investition in Sachanlagen war damit immer ein Begleiter meiner Ausführung,  Schutz des eigenen Vermögens.

Die Marktbreite nimmt zu

Interessant ist bei obiger Schilderung, dass im Gegensatz zur Staatsverschuldung viele Unternehmen in den USA derzeit mit sehr guten Wirtschaftszahlen und Aussichten überzeugen. Die Berichtssaison für das zweite Quartal war in den USA eine der besten der vergangenen Jahrzehnte. Die Gewinne im S&P 500 liegen rund 50 Prozent über dem Niveau des zweiten Quartals 2025. Zwar ist dieser starke Zuwachs unter anderem durch Buchungseffekte bei den Quartalsgewinnen von Alphabet und Amazon verzerrt, doch selbst wenn man diesen Einfluss herausrechnet, liegt der Gewinnzuwachs im zweiten Quartal noch immer bei etwa 30 Prozent, ein mehr als stolzer Anstieg.

Den US-Unternehmen geht es also ganz offensichtlich gut, was man auch an den Aktienkursen und dem S&P 500 Index sieht. Für den Kapitalmarkt signalisiert das eine breitere, weniger von Einzeltiteln getriebene Aufwärtsbewegung. Das ist wichtig zu verstehen. Denn verlagert sich der Aufwärtstrend weg von wenigen Titeln hin zu immer mehr Aktien, könnte das den Beginn einer längeren Aufwärtsbewegung markieren. Die Marktbreite entscheidet über die Stabilität eines Trends, je breiter, desto besser.

Stockpicking statt Indexinvestment

Doch Marktbreite kann auch ins Gegenteil umschlagen. Wenn sich das makroökonomische Umfeld ändert – der starke Anstieg der Renditen bei den US-Staatsanleihen ist dafür möglicherweise ein Warnsignal –, könnten möglicherweise die großen Indizes unter Druck kommen.

Wir vom Portfoliomanagementteam schauen daher regelmäßig durch unser Stockpicking auf interessante Einzelwerte, neben der Abdeckung mittels unserer selektiven ETF`s auf Branchen, Trends und Märkte. Es geht darum, eine langfristig attraktive Portfoliokonstruktion und somit Vermögensverwaltungslösung zu haben, deren Inhalte ebenso eine starke Marktstellung aufweisen sowie eine breite Diversifizierung. Vieles kann erreicht werden, in dem man fundamental vorgeht und beim Stockpicking gezielt auf Qualität wie Ertragskraft, Bruttomarge, Eigenkapitalquote, Verschuldungsgrad, Gewinn und Umsatzprognosen und das reale Wachstum achtet, nur um einige Kennzahlen zu nennen.

Wir nennen es „Quality Investing“ indem man sich auf Unternehmen mit einem krisenresistenten Geschäftsmodell, hoher Finanzkraft und dauerhafter Profitabilität konzentriert, über einen mittelfristigen Zeitraum natürlich gesehen. Übrigens: Im Gegensatz zum reinen Value-Investing, steht bei Qualitätsaktien die fundamentale Stärke im Vordergrund. Um solche Perlen zu identifizieren, müssen wir vom Research Team unter anderem tief in die Bilanz und Gewinn-und-Verlust-Rechnung blicken. Ein wichtiges Kriterium ist natürlich, wie oben beschrieben, die Rentabilität, Ertragskraft und finanzielle Stabilität. Qualitätsunternehmen zeichnen sich ebenso durch solide Bilanzen aus, dazu immer auch der Ansatz des Cashflows. Dazu wird im Besonderen intensiv auf die Cashflow-Stärke, also das echte, frei verfügbare Geld geachtete, welches über die Free Cashflow Marge gemessen wird, die idealerweise über 10 Prozent des Umsatzes betragen sollte. Wenn diese Kennzahlen erarbeitet worden sind, gilt es die Kontinuität zu prüfen, im Idealfall über mindestens fünf bis zehn Jahre, denn ein kontinuierliches Umsatz- und Gewinnwachstum von über 5 bis 10 Prozent pro Jahr zeigt, dass das Unternehmen keine „Eintagsfliege“ ist.

Sie sehen, das fundamentale Gerüst muss stimmen, doch dazu kommt dann die hauseigene volkswirtschaftliche Einschätzung, die das sogenannte „i-Tüpfelchen“, aber ein wirkliches Schwergewicht in unseren Analysen ist. Lassen Sie uns also gemeinsam auf die Suche nach interessanten Aktien, generell oder am US-Markt machen: Kontakt.

 

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Dr_Markus_C_Zschaber_Pressefoto_2025Über den Autor:
Dr. Markus C. Zschaber, Gründer und Geschäftsführer der V.M.Z. Vermögensverwaltungsgesellschaft, gilt als einer der erfahrensten und renommiertesten Vermögensverwalter in Deutschland und begleitet alle Prozesse im Unternehmen aktiv mit.

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