Unterbrochene Lieferketten, Materialmangel, steigende Inflationsraten, das Tapering der US-Notenbank und zunehmende Corona-Fallzahlen. Es gibt einige Gründe, weshalb der Aktienmarkt schwanken könnte. Die Börse präsentiert sich allerdings in prächtiger Verfassung – und birgt noch weiteres Aufwärtspotenzial.

Mit dem sogenannten Tapering hat die US-Notenbank die Abkehr von der Nullzinspolitik eingeleitet. Statt 120 Milliarden will die Fed künftig monatlich „nur“ 105 Milliarden Dollar in den Markt pumpen. Dieser Schritt ängstigt Anleger rund um den Globus, wird den  Aktienmärkten damit doch auch Liquidität entzogen. Zugleich belasten massive Lieferengpässe bei wichtigen Vorprodukten wie Halbleiter und steigende Rohstoffpreise die weltweite Industrie; sie hinterlassen vor allem in der Automobilindustrie deutliche Bremsspuren. Im Oktober wurden beispielsweise in Deutschland 35 Prozent weniger Pkw neu zugelassen als ein Jahr zuvor.

Es sind aber nicht allein die Rohstoffe, die teurer werden. Auch die Verbraucherinflation stieg in vielen Ländern auf Niveaus wie seit Jahrzehnten nicht mehr. In Deutschland etwa stieg die Inflation zuletzt auf 4,5 Prozent. Eine Teuerungsrate in dieser Höhe hatte das Statistische Bundesamt zuletzt im Oktober 1993 ermittelt. Dies macht nicht nur vielen Verbrauchern, sondern auch Börsianern Sorge. Als wäre dies nicht genug, haben die Gesundheitsämter dem Robert Koch-Institut mit knapp 40.000 Fällen so viele Corona-Neuinfektionen gemeldet wie nie seit Beginn der Pandemie. Eine nächste Welle gilt als unabwendbar.

AKTIENMARKT HANGELT SICH AN DER MAUER DER ANGST NACH OBEN

Dennoch ist der Aktienmarkt in Europa und USA in Rekordlaune – DAX, Dow Jones und Co. bewegen sich unisono in der Nähe ihrer Allzeithochs. Manche Auguren haben bereits den Beginn der Jahresendrally ausgerufen – und dies auch zu Recht mit Blick auf die gerade veröffentlichten Quartalsergebnisse und die Wachstumsprognosen der großen Volkswirtschaften für das kommende Jahr.

Übrigens: Die derzeitige Gemengelage lässt die Anleger besonnen agieren und sie investieren weiter; die Liquidität ist auf jeden Fall vorhanden, Notenbank- und Fiskalpolitik sowie die Sparquote zeugen doch davon, dass weitere Mittel für kurstreibende Käufe vorhanden sind. Hinzu kommt: Attraktive Alternativen zum Aktienmarkt sind nach wie vor rar – vor allem solche, die sich auch in Zeiten hoher Inflation bewährt haben. Waren es die vergangenen drei bis fünf Jahre die niedrigen Zinsen auf das Ersparte, so ist die Ausgangssituation nun noch herausfordernder: Jetzt ist es das Verwahrentgelt und mehr noch, eine Inflation, die es so seit knapp 30 Jahren nicht mehr gab und die Kaufkraft vernichtet – und zwar skrupellos.

Zudem gibt es auch gute Gründe für die gute Stimmung am Aktienmarkt. So hat etwa die US-Notenbank den Beginn der geldpolitischen Wende nicht nur sehr behutsam eingeläutet, sie hat die leicht restriktivere Gangart auch frühzeitig angekündigt; allzu überraschend war die Reduzierung der Wertpapier-Käufe daher nicht. Zudem stehen etwa die Investitions-güterhersteller in den Startlöchern und können produzieren. Ihnen fehlen einfach nur genügend Vorprodukte. Sobald diese Lieferengpässe aufgehoben sind, können aufgestaute Aufträge abgearbeitet werden. Und: Da der Aktienmarkt bekanntlich die Zukunft vorwegnimmt und dies in Form steigender zukünftiger Gewinnerwartungen bereits jetzt einpreist, überrascht der aktuell stabile Aktienmarkt nicht allzu sehr. 

SAISONALITÄT UNTERSTÜTZT AKTIENMARKT

Dass die Geschäfte trotz der Lieferengpässe brummen, zeigen auch die Quartalsgewinne der Unternehmen, die weitaus besser ausgefallen sind, als vorab von den Analysten prognostiziert. Am US-Aktienmarkt etwa überraschten bisher 82 Prozent der im S&P 500-Index gelisteten Unternehmen, die bereits ihre Zahlen vorgelegt haben, positiv. 67 Prozent der Firmen haben beim Umsatz besser als erwartet abgeschnitten. Viele Unternehmen konnten im abgelaufenen Quartal nicht nur ihre Erträge und Erlöse deutlich steigern. Es ist ihnen sogar gelungen, ihre Margen weiter auszubauen.

Auch die stark gestiegenen Energie- und Rohstoffpreise stellen nur für einen Teil der Wirtschaft ein Problem dar. Betroffen sind lediglich diejenigen Unternehmen, die die höheren Preise nicht an ihre Kunden weitergeben können. Gut aufgestellte Unternehmen etwa aus der chemischen Industrie können dank der hohen Nachfrage die gestiegen Preise nahezu eins zu eins an ihre Kunden weiterreichen. Und die Anbieter der teuren gewordenen Grundstoffe und Vorprodukte profitieren sogar von den höheren Preisen.

RISIKEN IM BLICK BEHALTEN

Die Geldpolitik der wichtigsten Notenbank ist weiterhin extrem locker und die Liquidität an den Aktienmärkten wird daher hoch bleiben – aller Diskussion um das Tapering zum Trotz. Nicht zuletzt begünstigen auch die saisonalen Muster einen Aufschwung am Aktienmarkt: Das vierte Quartal ist im historischen Rückblick der mit Abstand stärkste Drei-Monats-Zeitraum. Kurzum: Selbstverständlich sollten Anleger das Risikomanagement nicht aus den Augen verlieren, kann es am Aktienmarkt doch jederzeit auch zu kräftigen Schwankungen kommen. Unter dem Strich erscheinen für Anleger, die einen Vermögensaufbau mit Aktien anstreben, die Chancen jetzt und zukünftig – wie bei der kommenden Ampel – nicht auf rot, sondern auf grün zu stehen – und das sagt schon alles.

Bitte beachten Sie den Haftungsausschluss.

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