Schwellenländer mit Nachholbedarf
1. September 2021
Von der Goldgrube zur Geduldsprobe: Schwellenländer wie China zerren aktuell an der Geduld der Anleger. Nach starkem Wachstum gerieten die Aktien der Emerging Markets in jüngster Zeit unter Druck. Angesichts der wirtschaftlichen Perspektiven der Schwellenländer könnte es sich allerdings nur um eine Verschnaufpause handeln. Auf mittlere und längerfristige Sicht könnten die Renditechancen durchaus höher sein als in den westlichen Industrienationen.
Schwächere Performance der Schwellenländer
Anders als DAX, Dow Jones und Co., die teils zweistellig seit Jahresbeginn wuchsen, zeigten die Leitindizes der Schwellenmärkte in den vergangenen Wochen und Monaten eine schwächere Performance. Nach dem fulminanten Aufschwung, der vor allem durch das Abklingen der Corona-Pandemie gestützt wurde, bewegte sich etwa der MSCI Emerging Markets kaum mehr vom Fleck, während der Industrieländer-Index MSCI World um mehr als 15 Prozent zulegte. Der Hang Seng verlor seit Jahresbeginn mehr als 6 Prozent, der Shanghai Composite stieg im bisherigen Jahresverlauf lediglich um rund 1 Prozent und der brasilianische Bovespa legte leicht um etwa 0,5 Prozent zu. Ein Grund für die schwächere Entwicklung könnte die Sorge über das mögliche Ende der lockeren US-Geldpolitik sein. Ein Erstarken des US-Dollar könnte die Emerging Markets hart treffen und die lokalen Währungen abwerten. Vor allem für hoch in US-Dollar verschuldete Staaten und für Länder, die stark vom Import abhängig sind, ist das ein Problem.
Positiver Ausblick für Schwellenländer
Die Entwicklung der Aktienmärkte in den Schwellenländern steht in deutlichem Gegensatz zur dortigen Wirtschaftsentwicklung. Nach einer Analyse der Investmentgesellschaft AllianceBernstein legte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in den Schwellenländern in den vergangenen zehn Jahren um durchschnittlich 4,1 Prozent zu. Zum Vergleich: Die Industrienationen weisen im gleichen Zeitraum lediglich einen BIP-Zuwachs von 1,5 Prozent auf. Ein Trend, der sich fortsetzen könnte. So geht der Internationale Währungsfonds in seiner jüngsten Analyse davon aus, dass das BIP in den asiatischen Schwellenländern in diesem Jahr um 7,5 und 2022 um 6,4 Prozent wachsen wird. Im Euroraum wird hingegen ein Wachstum von 4,6 beziehungsweise 4,3 Prozent erwartet.
Positive Perspektive für Schwellenländer
Mehrere Faktoren sprechen mittel- und langfristig dafür, dass sich die Kluft zwischen Kurs- und Wirtschaftsperformance peu à peu schließen könnte: Neben dem Wachstum des BIP dürfte auch die wachsende Mittelschicht eine wichtige Rolle spielen. Neue zahlungskräftigere Verbrauchergruppen sorgen für einen steigenden Konsum. So wächst allein in China nach Angaben der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) die Mittelschicht in den nächsten zehn Jahren um 370 Millionen auf 1,2 Milliarden Menschen – die Kaufkraft der Mittelschicht soll im gleichen Zeitraum auf 14,5 Billionen Dollar steigen. Was ebenfalls für eine positive Perspektive der Schwellenländer mit Blick auf die Aktienmärkte sorgt: Laut der Investmentbank Morgan Stanley machen Schwellenländer rund 39 Prozent des globalen BIP aus, aber nur 13 Prozent des globalen Börsenkapitals.
Wachstumsmotor Schwellenländer
Kurzfristig könnte die Erholung der Aktienmärkte in den Schwellenländern zwar noch auf sich warten lassen. Dennoch: Emerging Markets, zu denen neben China auch Länder wie Indien, Vietnam oder Mexiko zählen, dürften der Wachstumsmotor des weltweiten Wirtschaftswachstums bleiben. Die Schwellenländer profitieren einerseits von der weltweit hohen Liquidität, andererseits haben sich in Ländern wie China, Indien, Korea oder Taiwan zahlreiche innovative Technologieunternehmen etabliert.
Schwellenländer als attraktive Beimischung
Für mittel- und langfristig orientierte Anleger, die auf Vermögensaufbau mit Aktien setzen, ist es grundsätzlich wichtig, das Portfolio auf verschiedene Werte, Branchen und Regionen zu verteilen. Aktien, ETFs oder gemanagte Fonds aus Schwellenmärkten könnten – unter Berücksichtigung eines nachhalten Risikomanagements – angesichts der dynamischen Wachstumsaussichten und Renditechancen, insbesondere in China, eine interessante und attraktive Beimischung des Depots sein.
Anleger, die in den Schwellenländern investieren, sollten sich aber immer bewusst sein, dass es neben den vorhandenen Chancen auch multidimensionale und höhere Risiken gibt, die es zu berücksichtigen gilt. Diese können mitunter zu wesentlich höheren Verlusten und Marktverwerfungen führen, als an den etablierten Kapitalmärkten, natürlich abhängig vom Investitionszeithorizont.
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Dr. Markus C. Zschaber, Gründer und Geschäftsführer der V.M.Z. Vermögensverwaltungsgesellschaft, gilt als einer der erfahrensten und renommiertesten Vermögensverwalter in Deutschland und begleitet alle Prozesse im Unternehmen aktiv mit.
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