China – Chancen und Risiken im Wechsel
22. August 2025
Das Wachstum in China schwächt sich ein wenig ab, ist doch auch Peking nicht vor Krisen gefeit. Dennoch: das südostasiatische Land bietet Anlegern auf lange Sicht weiterhin Chancen, vielleicht.
Am Ende ist es wohl auch eine Frage der persönlichen Einschätzung, ob man China als „Chance“ betrachtet, oder als „Enttäuschung“. Für beides gibt es durchaus gute Argumente. Für die Enttäuschung spricht etwa die aktuelle Industrieproduktion, die im Juli auf ein neues Tief im laufenden Jahr gefallen ist. Mit 5,7 Prozent liegt sie deutlich unter dem Vormonat mit 6,8 Prozent und zugleich unter den Erwartungen von 5,9 Prozent. Enttäuschend fielen zuletzt auch die Einzelhandelsumsätze aus, die ein Indikator für den Konsum sind. Sie stiegen ebenfalls langsamer und kamen im Juli nur auf 3,7 Prozent.
China – vor Krisen nicht sicher
Die enttäuschenden Zahlen kommen natürlich nicht von ungefähr. So haben etwa die von Donald Trump angekündigten und zum Teil auch schon vollzogenen US-Zölle, die Einfuhr von chinesischen Waren in die USA teils kräftig verteuert. Darüber hinaus belastet die US-Zollpolitik den Welthandel, was China ebenfalls hart trifft, da das Land viele Produkte exportiert. Und, nicht zu vergessen: Das Reich der Mitte kämpft zusätzlich mit einigen hausgemachten Problemen.
Weil Peking mit aller Macht die Wirtschaftsmacht Nummer eins in der Welt werden will, wird viel Geld bereitgestellt, sehr viel. Ein Problem: Dieses Geld kommt nicht immer an der richtigen Stelle an und führt nicht selten zu fehlerhaften Entscheidungen. So leidet China heute noch unter der Pleitewelle am Immobilienmarkt, die 2021 mit der Schieflage des Immobilienentwicklers Evergrande ihren Höhepunkt erreichte. Zur Erinnerung: Peking förderte über Jahre mit großem Aufwand den Bau von neuem Wohnraum. Das führte zu Überkapazitäten, die lange Zeit schlichtweg ignoriert wurden – und schließlich in der Krise mündeten.
Automarkt in China vor großen Herausforderungen
Einen ähnlichen Vorgang befürchten einige Beobachter nun auch am Automobilmarkt. Abwrackprämien und finanzielle Kaufanreize haben am chinesischen Automarkt zu einer künstlich überhöhten Nachfrage nach Elektroautos geführt. E-Neuwagen werden durch die Zuschüsse so günstig, dass es sich für Gebrauchtwagenhändler lohnt, Neuwagen zu kaufen und mit einem ordentlichen Preisnachlass als Gebrauchtwagen anzubieten. Verrückte Welt!
Den Herstellern der E-Autos, die ebenfalls durch staatliche Gelder gefördert werden, spielt das erst einmal in die Karten, da sie so ihre Verkaufszahlen halten können, mittelfristig jedoch droht ein herber Rückschlag, wenn staatliche Gelder gekürzt werden. Die Autopreise sind jetzt schon extrem unter Druck geraten, einige Autobauer können – so wird vermutet – nur noch überleben, weil sie durch staatliche Gelder unterstützt werden.
Chinas Wirtschaftsmodell ist also am Ende seitens der Entwicklung sehr ähnlich wie das westliche und marktliberale, allerdings kommunistisch geführt und dies ist nicht zu unterschätzen, was das Thema Staatsfinanzierung und Eingriffe angeht. Dazu kommt dann auch, dass Boom und Bust, Wachstum und Rezession sich ähnlich wie bei uns abwechseln. Das hat bei vielen Investoren langfristig zu Enttäuschungen geführt, was sich wiederum auch an der Börse bemerkbar macht. Die wichtigen großen Indizes am Aktienmarkt wie der Shanghai Composite Index und der Hang Seng China Enterprises Index laufen seit vielen Jahren nur noch seitwärts.
China – mit großen Schritten nach vorn
Ob hier eine „Chance“ liegt ist schwer zu sagen, wir erkennen auf jeden Fall, das Wirtschaftswachstum gemessen am BIP auf der einen Seite und die Entwicklung von Börsenkursen auf der anderen Seite, nicht korrelieren, in einem zwar wesentlich geprägten Wirtschaftsmodell, jedoch kommunistisch geführt. Aber, das Land hat sich von einer „Werkbank für die Weltwirtschaft“ zu einem Lieferanten für Hightechprodukte entwickelt. So konnte Chinas DeepSeek jüngst ein adäquates Produkt im Bereich der Künstlichen Intelligenz präsentieren, das dem amerikanischen ChatGPT Konkurrenz macht. Und auch in der Zukunftstechnologie Automatisierung und Robotik spielt China mittlerweile ganz vorne mit, wie die vor wenigen Tagen in Peking ausgetragene Weltmeisterschaft für menschenähnliche Roboter eindrucksvoll zeigt. Möglicherweise ändert dieses auch die chinesische Aktienwelt.
Chinas Regierung hat sich zudem vorgenommen, den heimischen Konsum zu stützen – und dies über Maßnahmen, die auf eine Reflation der Anlagemärkte hinausläuft, also auch des Aktienmarktes. Dazu gehört unter anderem die Einführung einer Swap-Fazilität bei der Notenbank PBoC, die es Wertpapierfirmen, Versicherungsgesellschaften und Fonds ermöglicht, Liquidität von der Zentralbank zu erhalten, um Aktien zu kaufen. Außerdem wird sie eine spezielle Kreditfazilität für börsennotierte Unternehmen und Großaktionäre einrichten, damit diese Aktien zurückkaufen und ihre Beteiligungen erhöhen können. Beide Maßnahmen können, so die Pekinger Regierung, jederzeit „unbegrenzt“ aufgestockt werden.
Möglicherweise eröffnen diese Maßnahmen Aufwärtspotenzial an Chinas Aktienmärkten, aber wissen tut es keiner. Man sollte sich immer bewusst darüber sein, dass ein Engagement in chinesische Aktien eine hohe Risikobereitschaft aufweist – das zeigt ein Blick in die Vergangenheit.
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Dr. Markus C. Zschaber, Gründer und Geschäftsführer der V.M.Z. Vermögensverwaltungsgesellschaft, gilt als einer der erfahrensten und renommiertesten Vermögensverwalter in Deutschland und begleitet alle Prozesse im Unternehmen aktiv mit.
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