Wasserstoff weckt große Hoffnungen im Kampf gegen den Klimawandel. Dennoch haben die Kurse der wichtigsten Wasserstoff-Aktien seit Februar dieses Jahres teils kräftig Federn gelassen. Grund zur Sorge besteht nun aber nicht, bleiben die mittel- bis langfristig Renditechancen doch aussichtsreich.

Die Herstellung von Wasserstoff ist so einfach wie genial – und manch einem noch aus dem Chemieunterricht vertraut: Elektrischer Strom fließt über Elektroden in einen mit Wasser gefüllten Behälter und zerlegt das H2O in seine Elemente Wasserstoff und Sauerstoff. Ersteres lässt sich in Brennstoffzellen zu Strom machen – ohne klimaschädliche Nebeneffekte wie Stickoxide oder Emissionen.

Dass Wasserstoff-Aktien daher zu den Überfliegern des vergangenen Börsenjahres zählten und eine gewaltige Hausse zündeten, ist angesichts des Klimawandels keine allzu große Überraschung. Die Aktie des US-Brennstoffzellenherstellers Plug Power etwa gewann 2020 mehr als 800 Prozent an Wert – und verdoppelte sich bis Anfang Februar nochmals. Wer FuelCell Energy in seinem Depot hatte, durfte sich über ein Plus von 600 Prozent freuen.

Wasserstoff-Aktien: Kein Allheilmittel im Kampf um den Klimawandel

Seit dem Februar-Hoch wirkt jedoch die Schwerkraft, die seit Jahresbeginn erzielten Gewinne der Wasserstoff-Aktien haben sich längst wieder in Wohlgefallen aufgelöst. Einer der Gründe: Wasserstoff verlor seinen Nimbus als Allheilmittel im Kampf um den Klimawandel. „Als universelle Klimalösung sind solche Brennstoffe ein falsches Versprechen“, hieß es etwa in einer im Fachjournal „Nature Climate Change“ erschienenen Studie. Es sei nicht zu erwarten, dass sie fossile Brennstoffe auf breiter Front ersetzen können.“ Ähnlich urteilte der Sachverständigenrat für Umweltfragen: „Wasserstoff kann zwar ein wichtiger Baustein bei der Erreichung des Ziels Klimaneutralität sein. Allerdings nur in Sektoren, in denen es keine effizientere Option gibt.“

Signifikante Nachfragesteigerung ante portas

Andere Branchenkenner hegen Bedenken wegen der Herstellung des Energieträges. So weist Wasserstoff zwar eine makellose CO2-Bilanz auf – vorausgesetzt, bei der Elektrolyse wird sogenannter grüner Strom verwendet. Anders präsentiert sich die Lage jedoch, wenn die Elektrizität aus Kohlekraftwerken stammt. Die Crux: Grüner Strom ist derzeit noch nicht in den Massen verfügbar, wie das für eine umfassende Wasserstoffwirtschaft notwendig wäre.

Anleger müssen dennoch keinen Bogen um Wasserstoff-Aktien machen, denn an der Börse wird die Zukunft gehandelt. Und diese präsentiert sich vielversprechend. Die Nachfrage nach H2O bis zum Jahr 2050 könnte weltweit von derzeit 76 auf bis zu 600 Megatonnen jährlich ansteigen – sofern geeignete Infrastrukturen entstehen. So lautet eines der Ergebnisse des Reports „Hydrogen on the Horizon: Ready, almost set, go?“, den die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC Deutschland in Zusammenarbeit mit dem World Energy Council und dem Electric Power Research Institute erstellt hat.

Keine Frage: Wasserstoff kann langfristig erheblich zur Dekarbonisierung der Weltwirtschaft beitragen; zumal  die „Nationale Wasserstoffstrategie“ der Bundesregierung vorsieht, bis zum Jahr 2030 in Deutschland Erzeugungsanlagen von bis zu fünf Gigawatt Gesamtleistung entstehen zu lassen. Das würde in etwa der Leistung aller aktuell laufenden Offshore-Windanlagen vor deutschen Küsten entsprechen.

Attraktive Aussichten für Wasserstoff-Aktien, -ETFs und -Fonds

Technologien, die einen Ausstieg aus der CO2-Wirtschaft ermöglichen, dürften auf mittlere und lange Sicht sukzessive an Bedeutung gewinnen. Daher könnten auch Wasserstoff-Aktien mittel- und langfristig einen renditeträchtigen Mix aus Klimaschutz, Antrieb der Zukunft und Renditequelle bieten, gleichzeitig sollten Investoren aber auch die Gefahren nicht unterschätzen. Die Erfahrung zeigt, dass Wertpapiere mitunter kräftige Schwankungen und Verluste aufweisen können. Für Anleger, die Einzeltitel aufgrund der erhöhten Risiken scheuen, bieten sich Alternativen in Wasserstoff-Aktien-ETFs oder Fonds an.

Bitte beachten Sie den Haftungsausschluss.

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