Agrarsektor muss bis 2050 liefern
13. September 2023
Ein gedeckter Tisch und volle Regale im Supermarkt sind nicht selbstverständlich – die vergangenen Jahre haben eindrucksvoll gezeigt, wie anfällig die globale Versorgung mit Lebensmitteln tatsächlich ist. Glaubt man Experten, werden Schocks, wie wir sie in den vergangenen Jahren erlebt haben, nicht die Ausnahme bleiben. Warum? Die Weltbevölkerung wächst und der Klimawandel macht den Anbau von Agrarerzeugnissen in manchen Regionen zum Lotteriespiel. Grund genug, sich auch als Anleger den Agrarsektor einmal genauer anzuschauen und den Blick auf Unternehmen zu richten, die Lösungen bieten.
Ackerland wird rar – und das Schlimmste kommt erst noch
Doch zunächst zu den Hintergründen: Wie die Vereinten Nationen (UN) schätzen, werden bis 2050 rund 9,7 Milliarden Menschen auf der Erde leben. Und diese wollen versorgt werden. Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) verweist darauf, dass 1961 noch 0,42 Hektar Ackerland pro Erdenbürger zur Verfügung stand; 2050 werden es Prognosen zufolge nur noch 0,18 Hektar sein. Maßgeblichen Einfluss auf diesen Faktor hat natürlich das Bevölkerungswachstum.
Doch auch andere Trends beeinflussen die Entwicklung der Nahrungsmittelversorgung negativ. Die Urbanisierung treibt immer mehr Menschen vom Land in die Städte, zugleich verschiebt der Klimawandel Anbauregionen oder stellt Landwirte vor die Wahl, ob sie im großen Stil investieren oder ihren Betrieb aufgeben sollen.
Technologie eröffnet Wachstumschancen
Auch der wachsende Wohlstand – allen voran in den prosperierenden Schwellenländern – wird für die Versorgung mit Nahrungsmitteln zu einem Problem. Der Fleischkonsum weltweit wächst. Immer mehr Bevölkerungsgruppen in den Emerging Markets können sich Fleisch leisten und gönnen es sich auch. Dabei bindet die Fleischproduktion große Agrarflächen – sei es als Weideland oder zur Produktion von pflanzlichen Futtermitteln. Wenn zur Fleischproduktion zusätzlich Regenwälder abgeholzt werden, wie in den vergangenen Jahren etwa in Brasilien geschehen, dreht sich der Teufelskreis aus Wetterkapriolen und Ernteausfällen womöglich sogar noch schneller. Doch wie können Investoren von diesem Negativ-Trend profitieren, ohne ihn sogar zu verstärken?
Konzerne aus dem Agrarsektor bieten Lösungen
Im Agrarsektor tummeln sich verschiedene Unternehmen, die sich den Herausforderungen der Zeit verschrieben haben. Von Saatgutproduzenten bis hin zu kleinen Startups, die dank moderner Sensor-Technologie und Digitalisierung noch den letzten Tropfen Wasser zielgenau an die Wurzel bringen wollen. Auch hin zum Großtrend Energiewende gibt es Anknüpfungspunkte. Etwa, wenn wie in der bayerischen Hopfen-Anbauregion Hallertau, Felder mit Solarpanelen überdacht werden, die Regen durchlassen. Der so entstehende Teilschatten sichert landwirtschaftliche Erträge und den „grünen“ Strom gibt’s noch dazu.
Agrarsektor: Big Player als solides Fundament im Depot
Auch wenn Investments in den Agrarsektor auf vielerlei Weisen möglich sind, sollten Anleger doch einen ausgewogenen Mix aus Bluechips sowie kleineren Innovationstreibern selektieren. Bei kleineren Titeln kommt es entscheidend auf solide Geschäftsmodelle, ein erfahrenes Management, das Konkurrenzumfeld und die Finanzierungssituation an. Eine gute Idee muss sich gerade im aktuellen Marktumfeld nicht zwangsläufig durchsetzen. Anleger sollten daher gerade bei Small-Caps mit Bedacht agieren.
Eine spannende Nische entsteht aktuell auch bei Unternehmen, die Agrarprojekte mit dem Schutz des Klimas vereinen und zusätzlich zu landwirtschaftlichen Erzeugnissen auch CO2-Zertifikate „ernten“ können. Weltweit sind zahlreiche Unternehmen auf der Suche nach Beteiligungen an derartigen Projekten, um den eigenen ökologischen Fußabdruck zu verkleinern. Für Anleger besteht die Herausforderung nun aber darin, die aussichtsreichen Unternehmen zu identifizieren – und das ist ohne das notwendige Wissen, viel Zeit und guter Kontakte schwer bis gar nicht erfolgreich zu bewältigen. Kurzum: Interessierte Investoren sollten daher professionelle Hilfe – idealerweise von einer erfahrenen und erfolgreichen Vermögensverwaltung – in Anspruch nehmen.
Auch wenn der Agrarsektor vor großen Herausforderungen steht, schicken sich doch auch viele Unternehmen an, Lösungen zu liefern. Die Branche ist daher für alle nachhaltig denkenden und langfristig orientierte Investoren mit Weitsicht eine spannende Option. Wie bei allen Investitionen gilt aber auch hier: Allzu große sollte der Depot-Anteil von Unternehmen aus dem Agrarsektor nicht sein.
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Dr. Markus C. Zschaber, Gründer und Geschäftsführer der V.M.Z. Vermögensverwaltungsgesellschaft, gilt als einer der erfahrensten und renommiertesten Vermögensverwalter in Deutschland und begleitet alle Prozesse im Unternehmen aktiv mit.
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