Der Aufstieg in den deutschen Leitindex DAX hat der Aktie von Siemens Energy bislang noch nicht das große Börsenglück gebracht – und Anlegern damit einhergehend auch wenig Freude bereitet. Der Kurs des Münchener Elektro- und Energietechnikunternehmens kennt seit Jahresanfang – kurzfristige Kurserholungen inklusive – nur eine Richtung: Abwärts. Starker Wettbewerb, Preisdruck und schwächelndes Kerngeschäft belasteten Unternehmen und Aktie. Auch die weiteren Aussichten stimmen allem Anschein nach wenig zuversichtlich. Dennoch könnte sich für Anleger ein Blick auf das Dividendenpapier lohnen – vorausgesetzt, sie haben einen längeren Atem.

Tochter Gamesa verhagelt Aussichten von Siemens Energy

Das Portfolio von Siemens Energy umfasst die Energieerzeugung, die Stromübertragung und Industrielösungen sowohl im Bereich der konventionellen als auch der erneuerbaren Energien. Die Aktivitäten im Bereich der erneuerbaren Energie werden vom Windkraftanlagenbauer Siemens Gamesa geführt. Und genau dieser Bereich bereitet Siemens Energy nun Sorgen. Grund: Die spanische Tochtergesellschaft gab jetzt aufgrund hoher Belastungen aus der Neubewertung von Projekten eine Gewinnwarnung heraus. Für das Geschäftsjahr 2020/21 (per Ende September) erwartet Siemens Gamesa beim bereinigten Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) operativ rote Zahlen. Im Mittel war bislang ein Ebit von 350 Millionen Euro erwartet worden. Der Einbruch hat direkte Auswirkungen auf Siemens Energy, hält der DAX-Konzern doch 67 Prozent an Gamesa. Auch die Muttergesellschaft wird in der Folge ihre Margenziele vor Sondereffekten von drei bis fünf Prozent wohl nicht mehr erreichen.

Chancen und Risiken für Siemens Energy

Grund zur Panik besteht nun aber noch nicht. Vor allem die Klimaziele der EU und die ökologische Offensive in den USA könnten Siemens Energy auf lange Sicht ordentlich Rückenwind verleihen. Bis 2030 will die EU den Ausstoß klimaschädlicher Gase um 55 Prozent im Vergleich zu 1990 senken. Und in den USA sollen erneuerbare Energien mit Milliarden gefördert werden. Für Siemens Energy sind diese Pläne Chance und Risiko zugleich.

Einerseits gefährdet die Energiewende das ohnehin schon kriselnde Kerngeschäft mit großen Turbinen für Gas- und Kohlekraftwerke – hier sinkt die Nachfrage seit längerem. Siemens Energy versucht durch die Restrukturierung des Gasgeschäfts und mit Stellenstreichungen gegenzusteuern. Doch zuletzt platzten die Verhandlungen mit den Gewerkschaften über den Abbau von 2.900 Arbeitsplätzen.

Andererseits ist mit Gamesa der Marktführer bei Offshore-Windkraft im Unternehmensportfolio. Windkraft ist ein entscheidender Baustein auf dem Weg zur Klimaneutralität. Trotz der jüngsten Gewinnwarnung von Gamesa bietet die Windsparte daher Chancen. Ein Selbstläufer ist aber auch dieser Sektor nicht, zumal sich auf dem Windkraftmarkt zahlreiche Wettbewerber wie Vestas, Goldwind oder General Electric tummeln, die stark im Geschäft sind und Siemens Energy bedrängen.

Kursrutsch bei Siemens Energy

Die aktuell wenig erfreulichen Nachrichten sorgten bei Siemens Energy und bei Siemens Gamesa für einen kräftigen Kursrutsch. Die Papiere der Muttergesellschaft verloren nach der Gewinnwarnung mehr als zwölf Prozent und Siemens Gamesa notierte zwischenzeitlich um 14 Prozent niedriger. Damit setzt sich die Negativentwicklung seit dem Aufstieg in den DAX fort. Am Tag des Listings in der ersten deutschen Börsenliga am 22. März 2021 kostete die Siemens Energy-Aktie noch 28,70 Euro. Vom Allzeithoch von 34 Euro ist Siemens Energy ebenfalls weit entfernt.

Siemens Energy ist kein Kurzfrist-Investment

Kurzfristig scheint ein schneller Kursanstieg angesichts der operativen Herausforderungen bei Siemens Energy und Gamesa, der zahlreichen Wettbewerber, des anhaltenden Preisdrucks sowie der hohen Materialkosten schwierig. Andererseits jedoch könnten insbesondere die staatlichen Infrastrukturprogramme für eine Belebung des Geschäfts bei erneuerbaren Energien mit Wind und Wasserstoff und damit auch bei Siemens Gamesa sorgen. Vor diesem Hintergrund könnte der aktuelle niedrige Kurs für mittel- und langfristig orientierte Anleger eine interessante Einstiegschance darstellen.

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