Japans Börse hat einen langen Anlauf genommen: Mehr als 30 Jahre dauerte es, bis der Nikkei 225 Anfang März wieder die Marke von 30.000 Punkten erreichte. Und: Es gibt einige gute Gründe, weshalb der Anstieg der Kurse in Tokio kein Strohfeuer zu sein scheint und der Nikkei seinen derzeitigen Aufschwung fortsetzen und andere Märkte in der Performance sogar noch übertrumpfen könnte.
Trotz einer aktuell leichten Korrektur bringt der Optimismus eines globalen Wirtschaftswachstums Fantasie in asiatische Aktienmärkte, inklusive der Börse in Japan. Die Gründe, weshalb der Nikkei trotz der zurückliegenden Rally – auf Jahressicht hat der Index sich fast verdoppelt – noch Luft nach oben haben könnte, sind vielfältig. So könnte der japanische Leitindex zum einen vom US-Konjunkturpaket in Höhe von 1,9 Billionen Dollar profitieren. Auch die Zulassung des Impfstoffs von Biontech und Pfizer in Japan und die damit verbundene Hoffnung auf einen erfolgreichen Kampf gegen das Virus verleiht Japans Börse Impulse. Darüber hinaus kann sich auch die wirtschaftliche Entwicklung Japans durchaus sehen lassen. Das japanische Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg im vierten Quartal 2020 auf das Jahr um 11,7 Prozent – und somit deutlich kräftiger als zahlreiche Analysten zuvor erwartet hatten.
Bank of Japan könnte Nikkei zusätzlich stützen
Von Vorteil sind für Japans Wirtschaft und Börse auch die engen Verflechtungen mit anderen asiatischen Märkten – allen voran mit China. Schließlich hat das Reich der Mitte die coronabedingte Wirtschaftskrise nahezu hinter sich gelassen. Dies zeigen nicht nur die jüngsten BIP-Daten – mit einem Plus von 2,3 Prozent ist China weltweit die einzige große Volkswirtschaft, die 2020 mit einem BIP-Zuwachs abgeschlossen hatte. Auch die richtungsweisenden Einkaufsmanagerindizes für den Dienstleistungsbereich und für die Industrie signalisieren mit jeweils über 50 Punkten weiteres Wachstum. Zusätzliche Unterstützung hinsichtlich des Warenverkehrs kommt durch das asiatische-pazifische Freihandelsabkommen RCEP. Dieses Abkommen dürfte einen entscheidenden Beitrag dazu leisten, dass das Produktionsniveau und das BIP in Japan mittelfristig wieder auf das Vorkrisenniveau und womöglich darüber hinaus zulegt. Und: Dass die Bank of Japan zeitnah das Ende ihrer extrem lockeren Geldpolitik einläutet, erscheint derzeit sehr unwahrscheinlich. Attraktive Alternativen zu Aktien sind und bleiben daher rar.
Auch aus Unternehmenssicht scheint vieles für eine Fortsetzung des positiven Trends zu sprechen. Japans Aktien sind zwar keine Schnäppchen mehr und werden derzeit mit dem rund 20-fachen der Unternehmensgewinne gehandelt, doch damit sind sie immer noch preiswerter als Wertpapiere am US-Aktienmarkt, die – gemessen am S&P 500 – mit einem erwarteten KGV von rund 23 bewertet sind. Doch Vorsicht: Aktien japanischer Konzerne gelten als konjunktursensibel – mit allen Vor- und Nachteilen. Breitet sich die Hoffnung auf einen Wirtschaftsaufschwung aus, steigen japanische Aktien häufig stärker als Titel anderer Länder. Geht es hingegen mit der Wirtschaft bergab, leidet der Nikkei zumeist auch kräftiger als andere Indizes.
Mut macht auch, dass die Unternehmen selbst nichts von ihrer operativen Kraft verloren haben. Nach wie vor zählen Japans Konzerne zu den globalen Innovationsführern – vor allem in den Bereichen Automatisierungstechnik, Robotik, Halbleiterausrüstung, elektronische Komponenten für Mobilfunkstandards und das Internet der Dinge sind japanische Unternehmen bestens positioniert.
Nikkei ist aus seinem langjährigen Winterschlaf erwacht
Die Börse im Land der aufgehenden Sonne präsentiert sich derzeit in sehr prächtiger Verfassung. Zwar sollten Anleger stets wachsam sein und die Entwicklungen weiterhin im Blick behalten. Dass nach dem Erreichen der 30.000er-Marke nun aber ein ähnlicher Nikkei-Absturz droht wie Anfang der 90er-Jahre, als eine Blase am Aktien- und Immobilienmarkt die Kurse explodieren ließ, ist wohl doch eher unwahrscheinlich. Der Nikkei scheint aus seinem langjährigen Winterschlaf erwacht und bereit, weitere Höchstmarken anzupeilen.
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Über den Autor:
Dr. Markus C. Zschaber, Gründer und Geschäftsführer der V.M.Z. Vermögensverwaltungsgesellschaft, gilt als einer der erfahrensten und renommiertesten Vermögensverwalter in Deutschland und begleitet alle Prozesse im Unternehmen aktiv mit.
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