Biotechnologie: Jagd auf die Marge von morgen
22. Februar 2023
Kommt bald die Impfung gegen Krebs? Diese Frage stellte „Der Spiegel“ erst kürzlich mit Blick auf die prall gefüllte Forschungspipeline von Biontech. Auch Krankheiten wie Alzheimer, Multiple Sklerose oder Parkinson haben findige Forscher dank innovativer Technologie inzwischen im Visier. Während die Aktie von Biontech in den Pandemie-Jahren vom Geheimtipp zum Biotech-Bluechip aufgestiegen ist, versuchen sich weltweit zahlreiche Unternehmen, die mittels neuer Verfahren Durchbrüche erzielen wollen. Die Voraussetzungen dafür sind durchaus günstig: Technologien, wie etwa mRNA, sind im Vergleich zu klassischen Verfahren der Impfstoffproduktion schneller umzusetzen und auch mit weniger Kosten verbunden.
Pharma-Unternehmen schielen auf Biotechnologie-Unternehmen
Hinzu kommt, dass viele junge Unternehmen aus der Biotechnologie inzwischen auf eine flexible Plattform-Struktur setzen und so gleich mehrere Projekte gleichzeitig vorantreiben können. Vor allem etablierte Pharma-Unternehmen haben in den vergangenen Wochen bereits mehrfach die Fühler nach Biotechnologie-Unternehmen ausgestreckt. Allein im Januar vollzogen die Pharma-Konzerne AstraZeneca, Ipsen und Chiesi jeweils Übernahmen im Milliarden-Bereich.
Hintergrund ist laut Branchenkennern auch die neue Gesetzgebung im Zuge des Inflation Reduction Acts in den USA. Dort sollen Preise für Medikamente sinken. Große Pharma-Konzerne sehen ihre Margen bereits schwinden. Ausnahmen bei der Preisgestaltung gibt es jedoch für Produkte aus dem Bereich Biotechnologie. Da diese die größten Innovationen versprechen, lässt der US-Gesetzgeber hier auch mehr Räume bei der Preisgestaltung. Folglich bieten sich für Pharmakonzerne Übernahmen in eben diesem Bereich geradezu an.
Auch die sonstigen Rahmenbedingungen scheinen günstig: Während Health-Care-Unternehmen in den vergangenen Quartalen solide Überschüsse generiert haben, mussten viele Biotechnologie-Unternehmen 2022 durch ein Tal der Tränen gehen. Trotz moderner Verfahren und digitaler Lösungen bleibt die Biotechnologie-Forschung vor allem teuer. Steigende Zinsen haben 2022 die Rahmenbedingungen zur Finanzierung von Biotechnologie-Unternehmen deutlich verschlechtert. Die Aktienkurse vieler Firmen, die noch 2021 gefeiert wurden, waren um den Jahreswechsel am Boden. Die jüngste Übernahmewelle hat der Branche zwar bereits Aufwind verschafft, doch sind viele Aktien im historischen Vergleich noch immer günstig – und das oftmals trotz deutlicher operativer Fortschritte und überzeugender Hinweise darauf, dass die Projekte Potenzial haben.
Biotechnologie: Von Milliarden-Übernahmen und Rohrkrepierer
Auch einzelne Analysten sehen Biotechnologie-Werte wieder positiver. Die Marktforscher von EY sehen die Branche nach dem schwachen Jahr 2022 vor einer Normalisierung. Das Brokerhaus Canaccord Genuity hält gar eine Übernahmewelle für möglich. Das gelte insbesondere dann, wenn am Markt absehbar werde, dass sich die Finanzierungssituation für Unternehmen verbessere. Vor allem kleinere Biotechs könnten gegen Bargebote zwischen einer und zehn Milliarden US-Dollar unter das Dach großer Konzerne schlüpfen, glaubt man bei Canaccord Genuity.
Betrachtet man die Kursverläufe von Biotechnologie-Unternehmen in den Monaten vor ihrer Übernahme, so wird schnell das Potenzial deutlich, das in der Branche stecken kann. Das britische Biotech GW Pharmaceuticals, das rund um Multiple Sklerose forschte, schlüpfte Anfang 2021 für 7,2 Milliarden USD unter das Dach von Jazz Pharma. Erst wenige Jahre zuvor war das Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von rund 100 Millionen US-Dollar an die Nasdaq gewechselt. Doch längst nicht jedes Biotechnologie-Unternehmen wird auch zum Überflieger.
Auf die richtige Mischung kommt es an
Die Geschichte ist auch voll von Biotechnologie-Unternehmen, die letztlich an ihren hohen Ansprüchen gescheitert sind und die über Jahre nur Kapital vernichtet haben. Da innovative Forschung langwierig ist und sich auch klinische Studien nicht selten über Jahre hinziehen, können angespannte Finanzierungsbedingungen selbst vielversprechenden Projekten dann im trüben enden. Auch wenn aktuell viele innovative Biotechs vergleichsweise günstig bewertet sind, sollten Anleger immer im Hinterkopf behalten, dass diese Bewertungen auch Spiegel der Risiken sind, die in der jeweiligen Aktie schlummern. Auch wir analysieren diesen Sektor regelmäßig und sind beispielsweise schon früh auf ein Unternehmen gestoßen, welches sich auf den Themenbereich rund um Diabetis konzentrierte. In der Tat eine Wertentwicklung von über 600 Prozent seit Beginn 2018. Aber dieses sind eher seltene Gelegenheiten und können auch zu großen Risiken werden.
Daher gilt auch bei den besten Aussichten nur einen kleinen Teil des Kapitals, in unserem Falle des zu verwaltenden Kundenkapitals, zu investieren und sich zu freuen, wenn man auch einmal aus diesem Sektor eine Perle entdeckte. Ansonsten gilt wie immer die breite Streuung über viele Branchen und Anlagerregionen, idealerweise aktiv durch unsere Vermögensverwaltung gemanagt. Das notwendige Wissen um langfristig erfolgreich am Kapitalmarkt tätig zu sein, haben wir mehrfach aufgezeigt – hier bewahrheitet sich immer wieder, Geduld und Analysequalitäten, gerade in den jetzigen stürmischen Zeiten, sind die wesentlichsten Erfolgsfaktoren. Dieses mit Blick über ein paar Jahre, erhält und steigert das Vermögen, gerade auch mit Blick auf die Inflation. Zurück zu den Biotechs: klug und untergewichtet allokiert, kann sich somit ein Engagement lohnen – und das auch für konservativ ausgerichtete Anlagestrategien.
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Dr. Markus C. Zschaber, Gründer und Geschäftsführer der V.M.Z. Vermögensverwaltungsgesellschaft, gilt als einer der erfahrensten und renommiertesten Vermögensverwalter in Deutschland und begleitet alle Prozesse im Unternehmen aktiv mit.
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