Aufwärtspotenzial beim britischen Leitindex FTSE 100
29. April 2021
Investoren verschmähten in den vergangenen Jahren britische Aktien – und damit einhergehend auch den Leitindex FTSE 100. Gründe dafür gab es ausreichend: Der Brexit, die Corona-Pandemie, der wieder aufglimmende Nordirland-Konflikt, die Unabhängigkeitsbestrebungen Schottlands. Und zu allem Überfluss ist das emotional stärkste Bindemittel der Insel – das britische Königshaus – von Krisen und Konflikten gebeutelt. Doch die neuesten Entwicklungen schüren die Hoffnung, dass der FTSE 100 aus dem Schattendasein hervortreten und das Interesse der Anleger an britischen Aktien wecken könnte.
FTSE 100 hinkt anderen Indizes hinterher
Während der DAX, der Nikkei oder der US-Aktienmarkt seit dem Höhepunkt der Pandemie im Frühjahr 2020 bereits deutlich zulegten, neue Höchststände erreichten und das Vorkrisen-Niveau überschritten haben, ist der FTSE 100 noch rund 500 Punkte von der Vor-Corona-Zeit entfernt. Seit Jahresbeginn legte der FTSE 100 zwar um knapp sieben Prozent zu. Der DAX verbuchte aber ein Plus von annähernd elf Prozent und der Dow Jones von knapp zwölf Prozent. Auch auf historische Sicht ist die Entwicklung im Vergleich zu anderen Indizes eher bescheiden.
Aktuelle Entwicklungen beeinflussen FTSE 100
Die aktuellen Entwicklungen indes könnten den FTSE 100 beflügeln. Rund die Hälfte der Bevölkerung in Großbritannien hat die erste Impfung bereits hinter sich, die Herdenimmunität rückt näher – mit direkten Auswirkungen auf das öffentliche Leben und die Wirtschaft. Seit Mitte April sind die Pubs, Biergärten, Geschäfte, Unterkünfte und Schulen wieder offen. Ab Juni soll die Wirtschaft wieder vollkommen geöffnet werden. Die Arbeitslosigkeit ist niedriger als befürchtet. Zudem federn staatliche Hilfen und Steuererleichterungen die Folgen der Pandemie ab. Der Internationale Währungsfonds (IMF) korrigierte jüngst seine Wachstumsprognose für die britische Wirtschaft nach oben, auf 5,3 Prozent in diesem Jahr. Für die Eurozone rechnet der IMF mit durchschnittlich 4,4 Prozent. Und das Wirtschaftsforschungsinstitut Oxford Economics erwartet für Großbritannien 2021 gar eine Erholung der Wirtschaftsleistung um sieben Prozent.
Hoffnung für FTSE ruht auf Inlandskonsum
Eine Hoffnung für die Erholung des FTSE 100 beruht vor allem auf dem Inlandskonsum. Nach Angaben der Bank of England haben die Briten in Zeiten des Lockdowns über 143 Milliarden Euro gespart. Geld, das mit der Aufhebung der Beschränkungen in die Branchen Freizeit, Reisen oder Einzelhandel fließen könnte. Hinzu kommt, dass Unternehmen des FTSE 100, wie etwa Konsumgüterkonzerne wie Unilever, Bergbauunternehmen wie Rio Tinto und BHP Group, Energieriesen wie BP und Shell oder Pharmaunternehmen wie Astrazeneca und Glaxosmithkline, die ihre Umsätze mehrheitlich außerhalb Großbritanniens erzielen, von der Erholung der Weltwirtschaft erheblich profitieren könnten.
Brexit-Sorgen im FTSE 100 eingepreist
Die Chancen sind allem Anschein nach ordentlich, dass der FTSE Höhenluft schnuppern könnte, zumal die Brexit-Sorgen weitgehend eingepreist sein dürften. Doch bei allem Nachholbedarf des britischen „Footsies“ sollten mittel- und langfristig orientierte Anleger unbedingt die Risiken abwägen. Großbritannien hat als Folge der Corona-Krise so viele Schulden aufgenommen wie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr. Auch ein Stocken der Impfkampagne könnte für neue Unsicherheit sorgen. Zudem könnte das durch die Pandemie in den Hintergrund gedrängte Brexit-Thema wieder an Bedeutung gewinnen. Derzeit jedoch scheinen die wirtschaftlichen Auswirkungen des britischen Sonderwegs noch überschaubar zu sein und das Potenzial für einen Aufschwung des FTSE 100 vorhanden. Ob in Einzelwerte, in Fonds oder ETFs, ein Blick auf britische Unternehmen und den FTSE 100 könnte für Anleger, die eine Vermögensaufbau mit Aktien anstreben, durchaus eine attraktive Option sein.
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Über den Autor:
Dr. Markus C. Zschaber, Gründer und Geschäftsführer der V.M.Z. Vermögensverwaltungsgesellschaft, gilt als einer der erfahrensten und renommiertesten Vermögensverwalter in Deutschland und begleitet alle Prozesse im Unternehmen aktiv mit.
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