Euro-Yen: Japanische Währung könnte weiterhin das Nachsehen haben
22. Juni 2021
Japan schien auf einem guten Weg, die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie hinter sich gelassen zu haben. Doch mit dem neuerlichen Aufflammen der COVID-19-Welle geriet die Wirtschaft im ersten Quartal unter Druck. Auch die Aussichten für den zweiten Jahresabschnitt scheinen eher verhalten. Das alles bleibt nicht ohne Folgen für die japanische Währung: Der Yen wertete seit Jahresbeginn etwa zum Euro um rund 4 Prozent ab. Und: Die Schwäche des Yen gegenüber dem Euro könnte noch eine Weile anhalten.
Japans BIP schrumpft, Exporte und Importe steigen
Japans Bruttoinlandsprodukt (BIP) schrumpfte zwischen Januar und März gegenüber dem Vorjahreszeitraum vor allem aufgrund niedriger Konsumausgaben um 1,0 Prozent – und auf das Jahr hochgerechnet um 3,9 Prozent. Es war der erste Rückgang seit drei Quartalen. Für den aktuellen Drei-Monats-Abschnitt rechnet das Japan Center for Economic Research wieder mit einem Plus von knapp 0,2 Prozent.
Trotz des schwachen Jahresauftakts scheint der Konjunkturmotor der drittgrößten Volkswirtschaft der Welt aber noch nicht gänzlich ins Stocken geraten zu sein. Im Mai stiegen die japanischen Exporte nach Angaben der japanischen Regierung so kräftig wie seit 1980 nicht mehr: Gegenüber dem Vorjahresmonat legten sie um stattliche 49,6 Prozent zu. Auch die Importe nach Japan zogen kräftig an – und zwar um 27,9 Prozent.
Impulse für Japans Wirtschaft
Weitere Impulse für Japans Wirtschaft könnten insbesondere vom privaten Konsum kommen, der immerhin mehr als die Hälfte zum japanischen BIP beisteuert. Zumal mit dem Auslaufen der Notstands-Beschränkungen vor wenigen Tagen und dem Anziehen der Impfkampagne die Kauflaune der Japaner deutlich anziehen dürfte und damit einhergehend auch die Wirtschaft wieder zunehmend an Fahrt gewinnen könnte. Dass die Bank of Japan die Subventionen für Unternehmen, die im Zuge der Pandemie unter Druck geraten sind, bis März 2022 verlängern wird, könnte die Konjunktur zusätzlich stützen. Gleiches gilt für ein neues milliardenschweres Programm, das vor allem Investitionen im Kampf gegen den Klimawandel bereitstellt.
Japanische Währung schwächelt, Nikkei trumpft auf
Anders als der japanische Leitindex Nikkei 225, der in diesem Jahr erstmals seit Jahrzehnten wieder die 30.000 Punkte-Marke erreichte, schwächelt die japanische Währung. Beispiel Währungspaar EUR/JPY: Aktuell liegt der Wechselkurs bei 131 Yen für einen Euro, zu Jahresanfang waren es noch 126 Yen. Binnen Jahresfrist wird die Abwertung der japanischen Währung noch deutlicher: Im Juni vergangenen Jahres bekam man für einen Euro 119 Yen, eine Abwertung um mehr als 8 Prozent.
Zwar scheint sich das Währungspaar EUR/JPY nach einem Zwischenhoch von knapp 134 Yen je Euro derzeit auf dem aktuellen Niveau zu stabilisieren, doch eine weitere Stärkung der japanischen Währung könnte noch auf sich warten lassen. Belastend wirkt auf den Yen vor allem die expansive Geldpolitik der Bank of Japan. So will die Notenbank die kurzfristigen Zinssätze weiterhin bei minus 0,1 Prozent und die 10-jährigen Staatsanleihen bei etwa null Prozent halten. Die europäische Notenbank EZB und die US-amerikanische FED denken derweil schon etwas lauter über einen restriktiveren Kurs nach. Grund: Während die Preise in der Eurozone und vor allem in den USA kräftig zulegen, ist in Japan das Inflationsziel von zwei Prozent noch lange nicht in Sicht.
Euro wohl leicht im Vorteil
Wie immer gibt es zwei Seiten einer Medaille beim Währungspaar EUR/JPY: Anleger können auf ein Erstarken der japanischen Währung setzen und damit auf eine Aufwertung zum Euro. Dafür gibt es durchaus gute Gründe. Sie können aber ebenso auf eine weiterhin robuste europäische Gemeinschaftswährung setzen. Auch für dieses Szenario gibt es nicht weniger gute Argumente, im Gegenteil. Vor allem die Aussicht, dass EZB die Zinsen eher anheben könnte als die Bank of Japan, spricht womöglich eher für den Euro. Doch Vorsicht: Investitionen in Währung werden stets von zahlreichen Einflussfaktoren – dazu zählen etwa Wachstum, Leistungsbilanzen, Zinsdifferenzen und vor allem die Geldpolitik – bestimmt. Das Risikomanagement spielt daher bei Währungsinvestitionen eine nicht zu unterschätzende Rolle.
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Dr. Markus C. Zschaber, Gründer und Geschäftsführer der V.M.Z. Vermögensverwaltungsgesellschaft, gilt als einer der erfahrensten und renommiertesten Vermögensverwalter in Deutschland und begleitet alle Prozesse im Unternehmen aktiv mit.
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