BRICS: Worauf es jetzt ankommt
30. August 2023
Angriff auf den Dollar, Verschiebung der Statik innerhalb der Weltwirtschaft und mehr: Die kürzlich angekündigte Erweiterung des BRICS-Bündnisses aus Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika um sechs weitere Volkswirtschaften wurde zuletzt rege kommentiert. Doch was bedeutet es wirklich, wenn künftig auch Saudi-Arabien, der Iran, die Vereinigten Arabischen Emirate, Argentinien, Ägypten und Äthiopien zum Bündnis gehören?
BRICS-Newcomer nicht ohne Sorgen
Die nackten Zahlen sind beeindruckend: Künftig werden die BRICS-Staaten für 37 Prozent der Weltwirtschaftsleistung stehen. Noch größer ist deren Anteil an der Weltbevölkerung: Knapp die Hälfte der Menschen auf dem Globus zählt zum gewachsenen Bündnis. Das deutet auf eine rosige Zukunftsperspektive hin – schließlich stehen Volkswirtschaften mit einer jungen Bevölkerung für Wachstum. Auch das Verhältnis zwischen Wirtschaftsleistung und Einwohnerzahl innerhalb des neuen BRICS-Bündnisses signalisiert mögliche Nachhol-Effekte.
Aber: Im aktuellen Marktumfeld besteht kein Grund, Schwellenländer jetzt hektisch aufzustocken. Der Grund: Die klassischen BRICS-Staaten haben auch innerhalb der neuen Zusammensetzung noch ein hohes Gewicht. Auch sind die künftigen Mitglieder für Investoren alles andere als Selbstläufer. Man denke etwa an das notorisch klamme Argentinien oder die noch immer schwelenden Aufstände in Iran. Investoren sollten die neue Entwicklung daher interessiert begleiten, aber trotzdem nichts überstürzen.
Schwellenländer könnten derzeit als überschaubare Beimischung in einem langfristig ausgerichteten Portfolio vorhanden sein, wobei sich dieses in den kommenden zehn Jahren sicherlich ändern wird, zum Vorteil dieser Regionen. Nachdem der MSCI Emerging Markets nach seiner langjährigen Schwächephase womöglich eine Art Boden ausgebildet hat, kann der Blick in die Zukunft interessant sein. Auf kurze Sicht ist in den Emerging Markets jedoch nicht mit kräftigen Kursgewinnen zu rechnen. Dazu gibt es aktuell noch zu viele Hemmschuhe. Dieses wird sich aber sicherlich ändern – nicht in der nahen Zukunft, aber es wird der Trend, für Unternehmen aus diesen Regionen, kommen.
Die Tücken des MSCI Emerging Markets
Allen voran spielt der Dollar noch immer eine wichtige Rolle bei der Finanzierung der prosperierenden Staaten. Auch wenn die öffentliche Diskussion die Vormachtstellung des Greenbacks schon des Öfteren angezweifelt hat, bleiben die Vereinigten Staaten weltweit die Nummer 1. Nach dem Inflation Reduction Act und der klaren Kante gegenüber China seit einigen Jahren gilt das womöglich heute sogar mehr, als noch vor drei Jahren.
Das hohe Zinsniveau in den USA lastet auch auf Schwellenländern. Warum? Investitionen sind aufgrund der hohen Kapitalkosten teurer. Sinken die Zinsen im Dollar-Raum wieder, könnten Schwellenländer aber profitieren. Während der Notenbank-Konferenz in Jackson Hole sendeten die Währungshüter keine eindeutigen Signale, kramten aber das schon fast in Vergessenheit geratene Inflationsziel bei zwei Prozent wieder heraus – eine Aussicht auf laxe Geldpolitik sieht anders aus.
Zudem sollten interessierte Anleger beachten, dass ein pauschales Investment in Schwellenländer keine gute Idee ist. Wer etwa heute den MSCI Emerging Markets kauft, der bekommt neben Asien, das trotz der Probleme in China eine vielversprechende Perspektive hat, auch Südamerika und Afrika hinzu. In beiden Regionen bestehen noch immer einige Hemmnisse, die das Zeug dazu haben, Investoren abzuschrecken. Man denke etwa an Korruption, Misswirtschaft und politische Instabilität.
Investments in BRICS erfordern Erfahrung
Wer heute in Schwellenländer investiert, sollte sich keinen Index ins Portfolio legen. Vielmehr geht es darum, Einzeltitel mit Perspektive zu kaufen und deren Geschäftsmodell sowie die sonstigen Rahmenbedingungen genau zu analysieren und entsprechende Schlüsse daraus zu ziehen. Dabei gilt es, neben der politischen Stabilität und der Rechtssicherheit heute, auch mögliche Veränderungen zu antizipieren oder zumindest schnell auf solche Veränderungen reagieren zu können. Auch müssen wir teils niedrige Bewertungen und politische und rechtliche Rahmenbedingungen in einen Kontext setzen. Nur so gelingt es, die attraktiven Titel zu identifizieren, die auch weitere Stürme im BRICS-Universum überstehen können und so ein solides Fundament für den langfristigen Vermögensaufbau mit Aktien bieten.
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Dr. Markus C. Zschaber, Gründer und Geschäftsführer der V.M.Z. Vermögensverwaltungsgesellschaft, gilt als einer der erfahrensten und renommiertesten Vermögensverwalter in Deutschland und begleitet alle Prozesse im Unternehmen aktiv mit.
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