Versicherungsaktien – mehr als defensiv
21. Mai 2025
Im Fußball heißt es: Die Offensive gewinnt Spiele, die Defensive aber Meisterschaften. Ähnliches kann man auch über die Versicherungsbranche behaupten. Landläufig gelten Versicherungsaktien unter Anlegern als langweilig, konservativ und eher phlegmatisch – und keineswegs als temperamentvoll. Doch diese Einschätzung täuscht.
Fakt ist: Die Aktien zahlreicher Versicherungskonzerne haben sich in der Vergangenheit weitaus besser präsentiert als der Gesamtmarkt. Erfreulich ist zudem, dass viele dieser Versicherungsaktien trotzdem immer noch vergleichsweise günstig bewertet sind und darüber hinaus auch noch attraktive Dividendenrenditen bieten.
Unternehmen wie beispielsweise Allianz, Axa, Generali, Munich Re oder Swiss Re haben ein recht robustes und krisenresistentes Geschäftsmodell. Der Ukraine-Krieg, Überschwemmungen, Erdbeben oder finanzielle Zukunftssorgen der Verbraucher halten die Nachfrage nach Hausrat-, Haftpflicht- oder Lebensversicherungen konstant hoch. Die – im Vergleich zur langanhaltenden Nullzins-Politik der Europäischen Zentralbank – Normalisierung der Geldpolitik kommt der Versicherungsbranche ebenfalls entgegen, verbessert sie doch die Ertragslage.
Bessere Performance als in vielen anderen Branchen
Es gibt also gute Gründe, dass zahlreiche europäische Versicherer zuletzt recht erfreuliche Zahlenwerke präsentiert haben – gekennzeichnet von Rekordgewinne, Rekorddividenden und stabilen Cashflows. Und daher kommt es auch nicht von ungefähr, das zahlreiche Versicherungsaktien in den vergangenen Monaten und Jahren eine bessere Entwicklung aufweisen als viele andere Branchen.
Versicherungsaktien: Hohe Dividende, günstige Bewertung
Das gilt auch für die Dividendenrendite, die ich der Versicherungsbranche im Durchschnitt zwischen vier und sechs Prozent liegt. Nicht zuletzt lässt die aktuelle Durchschnittsbewertung der Versicherer die Branche als Anlageziel attraktiv erscheinen. Denn: Europäische Versicherer weisen aktuell – gemessen am STOXX Europe 600 – ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von rund 14 auf. Zum Vergleich: Der DAX kommt derzeit auf ein KGV von gut 18. Im Tech-Sektor sind die Bewertungen deutlich höher.
Klimawandel, Wettbewerb und Regulierung als Risiken
Aber verstehen Sie mich nicht falsch, selbstverständlich ist auch die Versicherungsbranche nicht vor Risiken gefeit. Da ist einerseits der Klimawandel. Die Häufigkeit und Schwere von Naturkatastrophen nehmen zu, was zu höheren Schadensquoten führt. So beliefen sich im Jahr 2023 die globalen versicherten Schäden auf über 100 Milliarden US-Dollar. Wobei Wetterkatastrophen 97 Prozent der versicherten Schäden verursachten. Und: Angesichts des fortschreitenden Klimawandels erscheinen niedrigere Schadenssummen künftig eher unwahrscheinlich, im Gegenteil. So drohen der Versicherungsbranche dem Rückversicherer Swiss Re zufolge in diesem Jahr rund 145 Milliarden Dollar Kosten für Naturkatastrophenschäden.
Auch strenge EU-Vorschriften wie Solvency II zur risikobasierten Eigenmittelausstattung erhöhen Kapitalanforderungen und können Margen belasten. Hinzu kommt der steigende Wettbewerb etwa durch neue InsurTech-Startups und Unternehmen wie Amazon oder Google, die in das Geschäft der Versicherer vordringen. Und nicht zuletzt könnten die geopolitischen Spannungen und Handelsbeschränkungen die globale Wirtschaft 2025 belasten.
Warum Versicherungsaktien eine Überlegung wert sein können
Dennoch: Auch 2025 und darüber hinaus bieten ausgesuchte Versicherungsaktien attraktive Renditechancen – allen voran für Anleger, die Stabilität, Sicherheit und attraktive Dividendenwerte schätzen. Die starke finanzielle Performance, das Wachstumspotenzial durch technologische Innovationen wie die zunehmende Nutzung von Künstlicher Intelligenz und demografische Trends sowie die defensive Natur der Branche bieten gleich eine ganze Vielzahl von Vorteilen.
Auf der anderen sollten Anleger die Risiken wie Klimawandel, regulatorische Änderungen und wirtschaftliche Unsicherheiten berücksichtigen und Unternehmen mit robuster Strategie und starken Bilanzen auswählen – Versicherungsaktie ist also nicht gleich Versicherungsaktie. Vor allem eine sorgfältige Analyse des Unternehmens – inklusive Management, Bilanz, Bewertung, Konkurrenzumfeld – sind entscheidend, um von den Chancen zu profitieren und Risiken zu minimieren. Als Bestandteil eines diversifizierten Portfolios können Versicherungsaktien aber ein wichtiger Baustein beim Vermögensaufbau mit Aktien sein. Wir unterstützen Sie gerne dabei: Kontakt.
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Über den Autor:
Dr. Markus C. Zschaber, Gründer und Geschäftsführer der V.M.Z. Vermögensverwaltungsgesellschaft, gilt als einer der erfahrensten und renommiertesten Vermögensverwalter in Deutschland und begleitet alle Prozesse im Unternehmen aktiv mit.
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