Substanz + Wachstum = Erfolg
13. März 2026
Substanz- und Wachstumsaktien sind keine Gegenspieler – beide Arten gehören in ein gut strukturiertes und auf lange Sicht ausgelegtes Depot. Doch von nicht zu unterschätzender Bedeutung ist dabei vor allem: die richtige Mischung von Qualitätsaktien und Wachstumswerten.
Substanz gegen Wachstum – ein Kampf, der wahrscheinlich so alt ist wie die Börse an sich. Während sogenannte Substanzaktien in volatilen und unsicheren Zeiten ihre Stärke am Aktienmarkt ausspielen sollen, kommen Wachstumsaktien in einem gefestigten Umfeld voll auf ihre Kosten, so sagt man. Das ist sicherlich auch nicht falsch, aber eben vielleicht auch nicht ganz richtig. Allein der Versuch, die Substanz gegen das Wachstum quasi auszuspielen, könnte schon zu kurz gedacht sein.
Aus Substanz wird Wachstum
Das lässt sich schnell an einem Beispiel aufzeigen. Als Substanzwerte gelten etwa ganz generell Aktien aus der Pharmabranche. Sie agieren in einem intakten langfristigen Umfeld. Das stetige Wachstum der Weltbevölkerung und der medizinische Fortschritt „garantieren“ ihnen laufende Einnahmen, was ihnen häufig eine ordentliche Dividendenzahlung an die Aktionäre erlaubt. Wichtig dabei: Pharmawerte sind sicherlich auch nicht immun gegen nachhaltige Verwerfungen, doch kurzfristige Krisen erschüttern gut aufgestellte Pharmaunternehmen in der Regel eher gering. Denn: Ob die Konjunktur nun steigt oder fällt, Menschen werden krank und nehmen deswegen Medikamente.
Die Nachfrage nach Arzneien entwickelt sich also weitestgehend unabhängig von der Wirtschaft. Aber – und jetzt verwischen die Grenzen zwischen Substanz und Wachstum – gerade die jüngsten Erfolge in der medizinischen Forschung dank der Entschlüsselung des menschlichen Genoms und anderen Technologien wie der Biotechnologie und der Künstlichen Intelligenz (KI) haben zu einem enormen Wachstumsschub bei den Pharmaunternehmen geführt. Substanz und Wachstum haben sich also angenähert.
Aus Wachstum wird Substanz
Und es geht auch anders herum. Amazon beispielsweise etwa gilt als Wachstumsaktie par excellence. Denn Amazon agiert in einem relativ jungen, aber stark wachsenden Marktsegment, dem Onlinehandel. Der ist durch hohe Konkurrenz und ständig neue Entwicklungen gekennzeichnet. Onlinehändler, die sich hier nicht permanent anpassen, sind schnell aus dem Rennen – und damit einhergehend auch die E-Commerce-Aktien. Hinzu kommt: Wachstumsmärkte durchbrechen traditionelle Grenzen. Onlinehändler werden zu Logistikunternehmen, die die online-gekaufte Waren selbst transportieren, oder gar zu Medienhäuser, die in das Unterhaltungsgeschäft vorstoßen. Bitte verstehen Sie mich nicht falsch, ich darf und werde auf diesem Blog keine Anlageempfehlungen geben, aber: All das macht Amazon.
Dabei schafft es der Konzern, seine Zahlen stetig zu verbessern. 2025 etwa verzeichnete Amazon ein Plus beim Cashflow gegenüber dem Vorjahr um rund 20 Prozent auf etwa140 Milliarden Dollar. Ein hoher Cashflow ist aber eher eine Eigenschaft, die man einem Substanzwert zuschreiben würde. Der Cashflow ergibt sich einfach ausgedrückt aus der Differenz zwischen Ein- und Auszahlungen aus der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit eines Unternehmens. Je höher der Cashflow, desto solider wirtschaftet das Unternehmen – ein klassisches Substanzkriterium.
Substanz und Wachstum gehören zusammen
Substanz und Wachstum müssen also keine Gegenspieler sein. Und das ist auch in der aktuellen Situation so. Die – und das ist entscheidend – richtigen Wachstumsaktien sind trotz gestiegener Unsicherheiten nach wie vor ein Basisinvestment für ein langfristig ausgerichtetes Depot. Dazu zählen auch viele Technologiewerte, gerade auch aus den USA. Doch Tech ist nicht gleich Tech. Bestimmte US-Technologieaktien haben schon längst die Grenze zwischen Wachstum und Substanz überschritten, sind damit beides. Und: Am Ende kommt es auch auf die richtige Mischung von Substanz und Wachstum an, die nicht zuletzt durch weitere Parameter bestimmt wird – etwa die persönliche Anlageziele, das Alter, die Risikobereitschaft und vieles. Kurzum: Der langfristige Vermögensaufbau mit Aktien ist alles andere als trivial.
Wachstumswerte und Substanzaktien – beides Kategorien gehören in ein gut strukturiertes Depot. Wachstumsaktien für die starken ökonomischen Phasen, Qualitätsaktien oder Substanz für die unsichere Zeiten. Beide gegeneinander zu stellen, sie gar auszuspielen, ist wenig hilfreich.
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Dr. Markus C. Zschaber, Gründer und Geschäftsführer der V.M.Z. Vermögensverwaltungsgesellschaft, gilt als einer der erfahrensten und renommiertesten Vermögensverwalter in Deutschland und begleitet alle Prozesse im Unternehmen aktiv mit.
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