Europäische Aktien haben immer noch Luft nach oben
3. März 2025
In den vergangenen Wochen haben sich europäische Aktien äußerst robust entwickelt. Und es gibt einige gute Gründe, weshalb ausgesuchte europäische Aktien auch künftig noch attraktive Renditechancen bieten. Doch warum auf einmal Europa?
Während die USA noch abwarten, ergreift Europa die Initiative. Ein ungewohntes Bild, keine Frage, aber eines, das für die Anleger in den kommenden Monaten hochinteressant werden könnte. Gemeint sind die Notenbanken beider Wirtschaftsblöcke. Während nämlich die amerikanische Notenbank bei ihrer zurückliegenden Sitzung im Januar die Leitzinsen unverändert gelassen hat, hat die Europäischen Zentralbank (EZB) einen weiteren Schritt nach unten gewagt – und das zum fünften Mal in Folge. Am 30. Januar senkte die EZB den am Finanzmarkt richtungsweisenden Einlagensatz um einen Viertelpunkt von 3,00 auf 2,75 Prozent. Zum Vergleich: In den USA liegt das Tagesgeldzielband bei 4,25 bis 4,50 Prozent, also deutlich über dem europäischen Niveau.
Das tut gut, vor allem dem heimischen Aktienmarkt. Sowohl der DAX wie auch der EuroStoxx 50 können sich auf einmal besser entwickeln als wichtige amerikanische Indizes wie der S&P 500 und der Dow Jones. Ein seltener Anblick. Während der S&P 500 seit Jahresanfang nur um zwei Prozent zulegen konnte, kommt der EuroStoxx 50 auf rund elf Prozent. Was für eine Outperformance!
Warum europäische Aktien noch Potenzial haben
Doch Vorsicht: keine Outperformance ohne Haken. Und der besteht für die europäischen Aktien darin, dass die Wirtschaft immer noch nicht gut läuft. Während in den USA die Konjunktur brummt, stagniert Europa. Diese Differenz führt dazu, dass die EZB in Sachen Zinssenkungen derzeit auch progressiver voranschreiten kann als die amerikanische, woraus am Ende dann eben auch die Outperformance des europäischen Aktienmarkts resultiert.
Ungerecht, könnte man meine, denn eigentlich sollten Aktien ja nur zulegen, wenn auch die Wirtschaft gut läuft, aber der Markt ist eben nicht immer „gerecht“ – und Aktien steigen manchmal auch aus anderen Gründen als Wirtschaftsstärke. Und deswegen könnte es mit dem Aktienfrühling in Europa passend zur anstehenden Jahreszeit auch noch weitergehen. Die EZB hat bereits angekündigt, dass weitere Zinsschritte nach unten folgen werden. Nicht unbedingt Schlag auf Schlag, aber am Ende des Jahres könnten es unter dem Strich durchaus drei bis vier Schritte gewesen sein. Der Zinssatz läge dann im Bereich von zwei Prozent. Das lässt für europäische Aktien weiteres Potenzial erwarten.
Europäische Aktien haben Nachholchancen
Das vor allem auch unter dem Aspekt, dass der europäische Aktienmarkt im Vergleich zum amerikanischen Markt im Schnitt deutlich günstiger bewertet sind. Aktuell weisen die EuroStoxx-Papiere ein durchschnittliches Gewinnverhältnis von 17 auf Grundlage der Gewinnschätzungen für die kommenden zwölf Monate auf. Die Aktien im S&P 500 bringen es hier auf ein Verhältnis von 27. Sie sind also, was die Gewinnentwicklung anbetrifft, deutlich teurer als die europäischen Papiere.
Nun, dass allein würde noch nicht ausreichen, dem europäischen vor dem amerikanischen Aktienmarkt den Vorzug zu geben. Eine höhere Bewertung ist ja nicht nur kritisch zu sehen, sondern ist auch Ausdruck der Zuversicht der Anleger, man traut der US-Börse halt mehr zu. Doch mit den möglicherweise stärker fallenden Zinsen in Europa könnte sich die Sichtweise der Anleger ändern.
Erfolge am Aktienmarkt leben auch immer von Narrativen, von „Geschichten“. Bislang war klar, die USA sind erfolgreich, Europa schwächelt. Dementsprechend haben sich US-Aktien besser entwickelt. Doch das Narrativ lässt sich umschreiben. In den USA wachsen die Unsicherheiten, nicht zuletzt ausgelöst durch die eruptive Politik eines Donald Trumps. In Europa hingegen raufen sich die Länder aufgrund wachsenden Drucks von außen zusammen, Gemeinsamkeiten werden herausgestellt. Das schafft Vertrauen, auch an der Börse. Aus dem Narrativ „Die USA sind besser“ könnte so das Narrativ „Europa hat tolle Nachholchancen“ werden.
Doch der europäische Aktienmarkt ist vielfältig und nicht gleichzusetzen mit dem deutschen Markt. Während letzterer mit spezifischen Problemen zu kämpfen hat, können andere Länder überzeugen. Spanien und Italien etwa punkten mit relativ guten Wachstumszahlen. Auch einige Länder in Osteuropa lassen aufhorchen, wie beispielsweise Polen. Welches Land und welche Börse Potenzial bietet, ist für den Laien nicht immer sofort zu verstehen. Schauen wir uns also europäische Aktien gemeinsam an: Kontakt.
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Dr. Markus C. Zschaber, Gründer und Geschäftsführer der V.M.Z. Vermögensverwaltungsgesellschaft, gilt als einer der erfahrensten und renommiertesten Vermögensverwalter in Deutschland und begleitet alle Prozesse im Unternehmen aktiv mit.
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