Wind, Sonne, Biogas und Wasser, darauf setzt die Bundesregierung. Aber: kann damit die Energieversorgung Deutschlands gesichert werden? Bis 2030, so das offizielle Ziel der Bundesregierung, soll der Anteil der Erneuerbaren auf 80 Prozent steigen. Kritiker sagen, das wird schwierig, Befürworter sehen darin maximal eine technische Herausforderung. Selbst 100 Prozent halten sie für möglich, wenn das Stromleitungsnetz ausgebaut und Speicherkapazitäten erhöht werden. Denn der Strom soll ja auch fließen, wenn Sonne und Wind mal eine Pause einlegen.
Der Ausbau der erneuerbaren Energien kostet enorm viel Geld
Nun gut, vergessen darf man bei diesen ambitionierten Zielen nicht, auf der einen Seite ist ein neues Grundkonzept zur Versorgung mit erneuerbaren Energien sicherlich interessant, auf der anderen Seite ist mit dem Begriff der De-Industrialisierung ein Glaubenssatz in die Köpfe der Befürworter gerückt, der ganze Industriezweige zusammenbrechen lässt und damit auch Unternehmen in den Ruin treibt, für Massen an Arbeitslosen sorgt und den über Jahrzehnte aufgebauten Wohlstand unserer Bevölkerung praktisch vernichtet.
Kaum einer hat sich einmal mit den tatsächlichen Zahlen beschäftigt, denn der Ausbau der erneuerbaren Energien und der gesamte Umbau des Energiesystems in Deutschland bis 2050 (bzw. 2045) ist mit sehr hohen Kosten und damit Investitionen verbunden, die sich je nach Studie auf mehrere Billionen Euro summieren. Bei diesen Summen sollte jedem direkt bewusst sein, das Geld ist a) nicht da und b) mit einem zerstörten Wohlstand, bezogen auf die Industrie, erst recht nicht finanzierbar.
In der Energiebranche stehen einige ambitionierte Großprojekte an
Ob dieses Vorhaben der Bundesregierung also sinnvoll ist, sei mal dahingestellt. Fakt ist aber: Die technischen Herausforderungen für dieses Ziel sind gewaltig. RWE etwa, einer der großen bundesdeutschen Energieversorger, baut die Batteriespeicherkapazitäten deutlich aus – unter anderem in Gundremmingen. Auf dem Gelände des ehemaligen und in Rückbau befindlichen Atomkraftwerks entsteht Deutschlands größter Batteriespeicher mit einer Kapazität von 700 Megawattstunden.
Dabei sind solche Großprojekte nur ein Baustein für eine sichere Energieversorgung. Letztendlich könnte jede Batterie als Energiespeicher dienen, beispielsweise auch die in einem E-Auto. Solche Batterien benötigen nicht nur Strom, sie speichern diesen auch und können ihn bei Bedarf ins Netzt einspeisen. So könnte ein E-Auto, wenn es entsprechend technisch ausgerüstet ist, mit seiner gespeicherten Energie rund zehn Haushalte über Nacht versorgen. Am Morgen kann dann die Auto-Batterie wieder kostengünstig und „sauber“ aufgetankt werden – vorausgesetzt, die Sonne scheint. Aber davon sind wir noch Jahrzehnte entfernt.
Energiebranche – Gaskraftwerke sind richtig und wichtig
Dass sich Deutschland als Industriestaat nur auf die erneuerbaren Energien verlässt, wäre aber ein gewagtes Spiel und vor allem nicht realistisch. Aus gutem Grund hat die Bundesregierung daher erst jüngst dem Bau neuer Gaskraftwerke zugestimmt, diese sollen neben Erdgas auch Wasserstoff verbrennen können – werbewirksam auch als „H2 ready“ tituliert. Richtig produziert, kann Wasserstoff durchaus eine umweltfreundliche Energieversorgung gewährleisten, nämlich dann, wenn es sich um „grünen“ Wasserstoff handelt. Der wird ausschließlich mit Hilfe von Erneuerbaren hergestellt. Aber auch hier ist ein großes Fragezeichen zu setzen, denn das Problem dabei:
Die Spaltung von Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff ist sehr energieaufwendig. Es müssten also noch mehr Photovoltaik-, Windkraft, Biogas- und Wasserkraftanlagen gebaut werden, als man ohnehin schon für die Stromproduktion benötigt. In Deutschland könnte man da schnell an Grenzen stoßen, weswegen man auf Wasserstoffimporte setzt. Und damit machen wir uns wieder von ausländischen Zulieferern abhängig, die im Krisenfall die Energieversorgung als „Waffe“ einsetzen könnten, so wie dies gerade der Iran mit der Ölversorgung macht, in dem er die Straße von Hormus sperrt. Wasserstoff kann somit am Ende wohl nur ein Baustein in der gesamten deutschen Energieversorgung darstellen, der vor allem in der industriellen Produktion und in der Mobilität, etwa bei schweren Lastkraftwagen als Treibstoff, zum Einsatz kommt. Als Basisenergielieferant taugt er wohl eher weniger.
Atomkraft gehört zum Energiemix
Und welche Energiequellen gibt es noch? Die Atomkraft steht wieder im Gespräch, auch in Deutschland. Der Ausstieg aus der Kernspaltung war für viele Bürger wohl richtig, kann aber auch als teurer Fehler betrachtet werden – und als übereilt. Im Gespräch sind aber neue Atomkraftwerke, die weniger Abfall produzieren und sicherer sein sollen. Was aus diesem Vorhaben wird, bleibt aber zunächst abzuwarten, eines steht fest, teuer wird es.
Energiebranche – die Nachfrage steigt
Die erneuerbaren Energien werden am Ende wohl nach und nach an Bedeutung gewinnen. Zum Strommix der Zukunft dürfte auch Wasserstoff – vor allem für energieintensive Industriezweige und im mobilen Einsatz –, und die Atomkraft zählen. Es bleibt am Ende eine technische Herausforderung, da ja nicht nur der bestehende Strommix umgestellt werden muss, also vor allem fossile Brennstoffe wie Kohle ersetzt werden, es muss auch ein schnell steigender Strombedarf bewältigt werden. Dieser kletterte im Zeitraum 2015 bis 2020 um zusätzliche 2.400 Terawattstunden (TWh), im Zeitraum 2020 bis 2025 um 4.700 TWh, und wird bis 2030 wohl um weitere 5.400 TWh steigen. Dass angesichts solcher Wachstumszahlen Zweifel an der Leistungsfähigkeit der Erneuerbaren aufkommen, ist mehr verständlich.
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